NGC Katalog - Description and Abbreviation

Dreyers und Herschels Beschreibungen und Abkürzungen - Übersetzung unter der teilweisen Verwendung der Seite www.seds.org/billa/ngc.html. Versuch der Adaption zur eigenen Verwendung.

Die NGC Objekte und ihre Beschreibung sind die Aufzeichnungen, die von John Dreyer u.a. visuellen Beobachtern in dem 1888 veröffentlichten New General Catalogue verwendet wurden. Diese Beschreibungs-Codes sind äußerst kompakt und enthalten trotzdem sehr viel Information.
Sie sind heute für visuelle Beobachter genauso nützlich wie zur Zeit ihrer Entwicklung. Allerdings sind sie gewöhnungsbedürftig und manchmal auch nicht leicht zu durchschauen. Dennoch verwenden viele Astro-Programme wie zum Beispiel das Programm "Deepsky" immer noch die Dreyerschen Abkürzungen in ihren Beobachter-Datenbanken. Der Grund ist einfach: An sich ist das System hervorragend und es gibt keine echte Alternative.

Die Dreyer'sche Beschreibung für den Kugelsternhaufen M3 in den Jagdhunden (Canes Ventatici, CVn ) sieht zum Beispiel wie folgt aus:

GCl, eB, vL, vsmbM, *11

Und bedeutet:
"Globular Cluster, extremely bright, very large, very suddenly much brighter towards the middle, composed of 11th magnitude stars".
"Kugelsternhaufen, extrem hell, sehr groß, sehr rasche Zunahme der Helligkeit zur Mitte hin, bestehend aus Sternen der 11. Größenklasse".

Die Beschreibung beginnt normalerweise mit der Auflistung der Helligkeit und Größe des Objekts. Dreyer übernahm diese Skala von Sir John Herschel's General Catalog. Die verwendeten Kategorien sind jedoch aus mehreren Gründen teilweise verwirrend. Für den persönlichen Gebrauch genügt wohl auch eine etwas vereinfachte und übersichtlichere Version.

Zu beachten ist in jedem Fall, dass die Angaben im NGC nicht absolut sind, sondern geräteabhängig. Sie dienen daher vor allem zum Vergleich mit anderen Beobachtern und deren Teleskopen. Notwendig ist daher immer die Angabe der Teleskopdaten und der verwendeten Vergrößerungen sowie des Gesichtsfeldes, dass für verschiedene Okulare am Besten direkt am Sternenhimmel bestimmt wird.

Dreyers originale Helligkeitsskala

eF excessively faint - extrem lichtschwach
vF very faint - sehr lichtschwach
F faint - lichtschwach
cF considerably faint - ziemlich lichtschwach
pF pretty faint - recht lichtschwach
pB pretty bright - recht hell
cB considerably bright - ziemlich hell
B bright - hell
vB very bright - sehr hell
eB excessively bright - extrem hell

Dreyer verwendete eine 10stufige Skala, die zum Beispiel im Bereich cF und pF kaum nachvollziehbar ist. Für den persönlichen Gebrauch wird daher folgende Skala genügen:

vF - pF - pB - B

Verwendete Filter, die die Helligkeit stark beeinflussen können, müssen natürlich auch entsprechend vermerkt werden.

Größenskala

eS excessively small - extrem klein
vS very small - sehr klein
S small - klein
cS considerably small - ziemlich klein
pS pretty small - recht klein
pL pretty large - recht groß
cL considerably large - ziemlich groß
L large - groß
vL very large - sehr groß
eL excessively large - extrem groß

Wieder eine 10-stufige Skala, die nun noch unverständlicher wird, wenn man Vergrößerung und wahres Gesichtsfeld des Okulares nicht kennt. So wäre M57 anlässlich der letzten Beobachtung mit einem 102/500 Refraktor und einem 2" 32mm Okular (15fach) als eS einzustufen gewesen, mit dem 9mm Okular bei 50fach zumindestens als pS. Außerdem kann ich die Angabe cS und pS nicht wirklich verstehen.
Bei Angabe des Okulars kann man sich aber gut auf ungefähre Bruchteile des Okulargesichtsfeldes beziehen. Dann bliebe folgendes über:

vS für sternförmige Objekte
S für alles was noch als flächig erkannt wird
pS für 1/4 des Gesichtsfeldes
pL für das halbe Okulargesichtsfeld
vL für etwa 3/4 des Okulargesichtsfeldes oder größer

Form

R round - rund
vlE very little extended - sehr wenig ausgedehnt
E elliptic or oval - elliptisch
cE considerably extended - ziemlich länglich
pmE pretty much extended - sehr länglich
mE much extended - weitaus länglich
vmE very much extended - sehr stark länglich
eE -extremely extended - extrem länglich

Auch interessant - besonders die vielen Formen von "länglich". Vielleicht wäre es einfacher das Achsverhältnis zu schätzen. Zum Beispiel E1:4. Dann bliebe noch offen einen Buchstaben für irreguläre Formen zu verwenden. In Summe also
R für rund
E für ellitpisch mit Angabe der Verhältnisse
und im allgemeinen Codebuch des NGC findet sich auch etwas für die irregulären Objekte:
iF irregular figure - unregelmäßige Form

Bei Offenen Sternhaufen kann man entweder auf die Trümpler.Klassifikation zurückgreifen, oder auch eine vereinfachte Beschreibung benutzen, die die Sternanzahl, die Konzentration und die Auffälligkeit vor dem Hintergrund bezeichnet. Für alle Beschreibungen kann recht gut auf den NGC Code zurückgegriffen werden. Zum Beispiel:

Sternzahl:
Ri für rich
pm für pretty much
p für poor

Konzentration:
br für broad - weit ausgedehnt oder auch
v dif very diffused - sehr verstreut
cC für considerably compressed - ziemlich komprimiert
C für compressed - komprimiert

Allgemeiner NGC Code

Der allgemeine NGC Code ist die Liste der Abkürzungen, die von John Dreyer zur Objekt-Beschreibung verwendet wurde. Ein wenig unklar ist die Verwendung von Groß- und Kleinbuchstaben, die teilweise unsystematisch scheint.

Code

Bedeutung Übersetzung

Ab

about ungefähr, etwa, gegen

alm

almost fast, beinahe

am

among (mitten) unter, inmitten, zwischen

app

appended angehängt, bei-, angefügt

att

attached dazugehörig, angeschlossen

b

bright, brighter hell, heller

be

between zwischen

biN

binuclear aus 2 Kernen bestehend

br

broad weit, ausgedehnt, weitreichend

bn

brightest towards the north side am hellsten in Richtung Nord (hin)

bs

brightest towards the south side am hellsten in Richtung Süd (hin)

bp

brightest towards the preceding side am hellsten in vorangehender Richtung

bf

brightest towards the following side am hellsten in nachfolgender Richtung

B

bright hell, strahlend, leuchtend

c

considerably beträchtlich, erheblich, ansehnlich

ch

chevelure lockig, gelockt (franz.)

co

coarse, coarsely grob, einfach

com

cometic kometenartig, kometenhaft

cont

in contact sich berührend, in Kontakt befindend

Ch

chain Kette

C

compressed zs.-gedrängt, komprimiert

C.G.H.

Cape of Good Hope Kap der Guten Hoffnung

Cl

cluster Haufen

d

diameter Durchmesser

def

defined scharf umgrenzt, scharf abzeichnend

dif

diffused zerstreut, verbreitet

diffic

difficult schwierig, schwer

dist

distance, distant Entfernung, Abstand, entfernt

D

double Doppel...

e

extremely, excessively übermäßig, aüßerst, höchst

ee

most extremely meistens/größtenteils ...äußerst, höchst

ell

elliptic elliptisch

er

easily resolvable einfach aufzulösen/auflösbar

exc

excentric exzentrisch, nicht mittig

E

extended ausgedehnt, ausgestreckt, ausgebreitet

f

following nachfolgend

F

faint schwach, lichtschwach

g

gradually allmählich, nach und nach

h

homogeneous homogen, gleichartig

i

irregular unregelmäßig, ungeordnet,

inv

involved, involving beteiligt, mit einbezogen/einbeziehend

iF

irregular figure unregelmäßige Form, Gestalt

l

little (as adverb), long (as adjective) klein (als Adverb), lang (als Eigenschaft)

L

large groß (oft auch hell!)

m

much viel, weitaus, sehr

mm

mixed magnitudes verschiedene Größenklassen

mn

milky nebulosity milchig(weiße) Nebeligkeit, Trübheit

M

middle, in the middle Mitte, in der Mitte, zur Mitte hin

n

north Norden, nördlich

neb

nebulous Nebel-artig, nebulos

nf

north following nördlich/im Norden nachfolgend

np

north preceding nördlich/im Norden vorauseilend

nr

near nahe, nahe bei

nw

narrow eng, schmal

N

nucleus, to a nucleus Kern, zum Kern

Neb

Nebula Nebel

p

pretty (before R, F, B, L, S) recht, ziemlich, schon eher....

p

preceding vorauslaufend, -eilend

pg

pretty gradually nach und nach recht/ziemlich

pm

pretty much recht viel

ps

pretty suddenly recht/ziemlich plötzlich,

P

poor arm, dürftig

quad

quadrilateral vierseitig

quar

quartile Quartil, Viertel (Abstand)

r

resolvable (mottled, not resolved) (noch) auflösbar (gefleckt, nicht aufgelöst)

rr

partially resolved, some stars seen teilweise aufgelöst, einige Sterne erkennbar

rrr

well resolved, clearly consisting of stars gut aufgelöst, deutlich aus Sternen bestehend

R

round rund, rundlich

RR

exactly round exakt kreisrund

Ri

rich reich (an), inhaltsreich

s

suddenly plötzlich, abrupt

s

south Süden, südlich

sp

south preceding südlich/im Süden vorauseilend

sf

south following südlich/im Süden nachfolgend

sc

scattered zerstreut, vereinzelt (auftretend)

st

stars Sterne

sev

several verschiedene, mehrere, einzelne (getrennte)

susp

suspected (in/mit) Verdacht auf...

sh

shaped geformt, gestaltet

stell

stellar stern...(artig)

S

small klein (oft auch im Sinne von schwach!)

sm

smaller kleiner (als)

triN

trinuclear dreikernig, aus 3 Kernen bestehend

trap

trapezium Trapez, trapezförmig

v

very sehr, äußerst

vv

very very sehr sehr, außerordentlich

var

variable variabel, veränderlich

W

wing Arm (Galaxie)

*

a star, *10, a star of 10th magnitude ein Stern, ein Stern 10. Größenordnung

**

double star Doppelstern

***

triple star Dreifachstern

!

remarkable bemerkenswertes Objekt

!!

very remarkable äußerst bemerkenswertes Objekt

!!!

a magnificent object prächtiges, herrliches Objekt

st 9

stars from 9th magnitude downwards Sterne von 9. Größenklasse abwärts

st 9..13

stars from 9th to 13th magnitude Sterne von 9. bis 13. Größenklasse

()

questioned by Dreyer parentheses von Dreyer in Frage gestellt, in Klammer

"

arc seconds Bogensekunden (1/3600°)

'

arc minutes Bogenminuten (1/60 °)

Angaben zur Gerätschaft

A bloßes Auge
B Feldstecher (Bino)
N Newton
R Refraktor
C Cassegrain
SC Schmidt Cassegrain
SN Schmidt Newton
M Maksutov
MN Maksutov Newton

Summary

Richtig verwendet geben uns die Abbreviationen des NGC ein mächtiges Werkzeug der vergleichbaren visuellen Beobachtung in die Hand. Außerdem macht es Spaß Dreyers originale Kurzschrift-Kommentare "lesen" zu können.
Der auf den ersten Blick schwierigste Teil der Beschreibung ist dabei immer jene Reihe von Buchstabenkombinationen, die von Sir John Herschel als "der Grad der Konzentration" eingeführt wurde.

Ein einfaches Beispiel ist
"gbM" (gradually brighter towards the middle).
Bei NGC4725, einer Galaxie im Haar der Berenike (Coma Berenices, Com) findet man das:
"vsvmbMeBN" :-) Was soviel bedeutet wie "very suddenly very much brighter in the middle, with an extremely bright nucleus"

Wenn in diesen Beschreibungen Richtungsangaben wie "preceding" (vorangehend) oder "following" (nachfolgend) verwendet werden, so sind damit einfach die Richtungen West und Ost gemeint. Man stelle sich aber einfach die Bewegung des Objektes durch das Gesichtsfeld im Teleskop bei abgeschalteter Nachführung vor. Der Gebrauch dieser Bezeichnungen (preceding/following) ist sehr natürlich beim Blick durchs Okular und weniger verwirrende wie "West" und "Ost", weil nicht alle Instrumente das Gesichtsfeld gleich darstellen.

Und hier kommt noch eine kleine Zusammenfassung wie Objektbeschreibungen aussehen könnten:
0) Grenzhelligkeit
1) Angaben zum Gerät
2) Angaben zum Okular
3) Filter
4) Objekttyp 5) Objekthelligkeit
6) Größe
7) Form
8) Grad der Konzentration
9) Sonstige Angaben

Als Beispiel eine einfache Beschreibung von M57

4,5 R102/500 9mmWA PN pB S R mFM !

0)Faintest Star 4,5mag
1)Refraktor 102/500
2)9mm Weit-Angle Okular
3)-
4)Planetary nebula
5)Pretty bright
6)Small
7)Round
8)Much fainter in the middle
9)Remarkable

Und wer glaubt, dass damit schon alles perfekt beschrieben ist, der sich noch flogende Fragen zu jeder Objektklasse durch den Kopf gehen lassen...

Informationen zu jeder Objektklasse:
1. Helligkeit, ist indirektes Sehen notwendig?
2. Form, rund, oval, Verhältnis und Positionswinkel der Elongation, z.B. 3:1, N-S.
3. Welche Vergrößerung ergibt den besten Anblick?4. Befinden sich andere Objekte im Feld?

Doppelsterne:
1. Ist der Doppelstern weit, eng oder nicht auflösbar?
2. Gibt es zwischen den Komponenten einen sichtbaren Farbkontrast?
3. Lohnt sich eine Wiederbeobachtung?

Dunkelnebel:
1. Sichtbarkeit: wie gut ist das Objekt vor dem Sternenhintergrund zu sehen?
2. Gibt es Besonderheiten in der Form oder der Dichte?
3. Gibt es gut definierte Kanten, zwischen dem Nebel und den Hintergrundsternen
4. Sind Vordergrundsterne im Nebel?

Emissionsnebel/Reflexionsnebel:
1. Ist ein Teil des Nebels heller oder dunkler als der Rest?
2. Ist der Rand scharf oder diffus?
3. Gibt es Sterne im Nebel?
4. Wie wirken Filter?

Offene Sternhaufen:
1. Hebt sich der Sternhaufen gut vom Sternenhintergrund ab?
2. Ist der Haufen arm oder reich an Sternen? Sterne zählen, ansonsten schätzen.
3. Ist er komprimiert oder locker? Sind Teile nicht auflösbar?
4. Helligkeit der Sterne im Haufen.
5. Gibt es Zonen in denen die Sterne stärker oder schwächer konzentriert sind, oder fehlen?
6. Gibt es Nebel im Sternhaufen?

Kugelsternhaufen:
1. Konzentration: ist der Haufen locker oder stark konzentriert?
2. Ist irgend ein Teil des Haufens auflösbar (Rand oder auch Zentrum)?
3. Ist das Zentrum heller oder dichter?

Planetarische Nebel:
1. Ab welcher Vergrößerung ist eine Scheibe zu sehen?
2. Ist eine Farbe erkennbar?
3. Ist der Rand scharf oder diffus?
4. Sind Teile des Nebels heller oder dunkler, gibt es eine Ringstruktur?
5. Ist der Zentralstern sichtbar?

Galaxien:
1. Ist das Zentrum heller, ist der Kern diffus, kompakt oder stellar?
2. Sind hellere oder dunklere Teile oder Spiralstruktur (Typ) erkennbar?
3. Ist der Rand diffus oder scharf?
4. Befinden sich Sterne am Rand oder darin?
5. Gibt es Nachbargalaxien?

zurück zur Übersicht

Diese Seite ist Teil eines [Framesets]