Deep-Sky Einstieg - Einführung in die visuelle Beobachtung

Nachdem in den letzten Alrukaba Ausgaben der Deepsky Einstieg über offene Sternhaufen zu Kugelsternhaufen und Galaxien beschrieben wurde, folgt diesmal - zwar in der Chronologie nicht ganz korrekt, aber als Zusammenfassung durchaus sinnvoll - der Einstieg in die Deep-Sky Beobachtung. Es gibt dazu bereits einen hervorragenden Artikel der VdS-Deepksy aus dem Jahre 2001, verfasst von Jäger, Steinicke und Wulfrath. Dieser ist erhältlich via Internet unter der Adresse http://www.naa.net/deepsky/download/infoblatt.pdf und ohne Einschränkung zu empfehlen. Von Wolfgang Howurek ist eine wichtige Arbeit zum Thema auf den Internet-Seiten der BAA unter www.astronomie.at/burgenland/archiv/vtr-0009-skr.pdf zu finden.

Da aber hinsichtlich Systematik, Teleskop, Beobachtungsbedingungen, Vorbereitungen, Wahl der Vergrößerung, etc. der VdS Artikel alles Wesentliche aufzeigt und Wolfgang Howureks Arbeit bezüglich Auge, Wahrnehmung, Teleskop und der Leistungsfähigkeit aller Komponenten im Zusammenspiel umfassend Auskunft gibt, werde ich hier nur ein paar persönliche Gedankensplitter hinzufügen.

Der Artikel der VdS beginnt damit den Begriff Deep-Sky zu erläutern. Es dürfte uns allen hinlänglich bekannt sein, dass damit alle Objekte jenseits des Sonnensystems gemeint sind. Und schon beginnt es interessant zu werden, denn es sind die verschiedensten Objekttypen unter diesem Sammelbegriff vereint und unterschiedliche Objekttypen verlangen unterschiedliche Brennweiten, Vergrößerungen, Beobachtungstechniken, u.v.a.m.

Deep-Sky mit dem bloßen Auge

Natürlich kann manche Beobachtung an einem lichtverseuchten Ort wie meinem Wohnort vorgenommen werden und ich habe damit viel Erfahrung gesammelt - auch manche positive. Aber wirklich Freude machen schwache Objekte erst bei guten bis sehr guten Bedingungen. Ein bloßes Vorurteil ist allerdings zu glauben, dass Deep-Sky Beobachtung nur mit einem sehr großen Teleskop möglich ist. Dies ist gerade für die Einsteiger unter den Deep-Sky Freunden falsch. Deep-Sky Beobachtung beginnt mit dem bloßen Auge und dem Fernglas!

Starten sie ihre Deep-Sky Erfahrungen mit einfacheren Herausforderungen wie zum Beispiel der Orientierung am Sternenhimmel und der Identifizierung der Sternbilder. Wie gut ist das Aulösungsvermögen ihrer Augen? Betrachten sie dazu die Doppelsterne Mizar-Alcor in der Großen Bärin, oder Alpha Capricorni, daneben sind Theta Tauri und Epsilon Lyrae lohnenswert. Können sie die Farben der Sterne identifizieren? Versuchen sie es mit Vergleichen - auch im Bereich der Sternhelligkeit. Kann ich eindeutig identifizieren welcher von zwei Sternen der hellere ist - wo liegen meine Grenzen! Das sind die ersten wichtigen Schritte zur Schulung des Beobachtungsvermögens. Es gibt aber schließlich genügend "richtige" Objekte für das bloße Auge. Eines der flächenmäßig größten Deep-Sky Objekte - und deshalb am besten mit unserem angeborenen Weitwinkel-Objektiv zu betrachten - ist der Große Wagen. Fünf der Sterne sind Teil eines losen Bewegungshaufens mit der Bezeichnung Collinder 285. Aus dem Collinder Katalog sind noch andere mit bloßem Auge zu sehende Objekte berühmt. Zum Beispiel jenes mit der Katalognummer Cr 399 - zwischen Adler und Leier hängt der Miniatur- "Kleiderbügel", der erstmals im 10.Jh. von Al Sufi als kleine Wolke beschrieben wurde. Der persische Astronom, dessen Observatorium in Isfahan stand, beschrieb ferner als erster den Andromedanebel (M31) und fand den Omicron Velorum-Haufen (IC2391) ebenso wie Brocchi's Cluster (Melotte 399).


(Bilderklärung: Erste gesicherte Erwähnung der Andromeda Galaxie von Abd-al-Rahman Al Sufi aus dem "Buch der Fixsteren". Die Galaxie ist mit dem Buchstaben "A" gekennzeichnet.)

Die Hyaden (Mel 25), die den Kopf des Stieres bilden und die Plejaden (M45) wurden erstmals in der Antike von Hesiod (7. Jh. v. Chr.) erwähnt. Die 7 bis 8 hellsten Mitglieder der Plejaden formen ein kleines Muster, das entfernt an eine Schöpfkelle erinnert. Sehr scharfe Augen können bei dunklem Himmel 10 oder mehr Sterne in dem ca. 400 Lichtjahre entfernten Sternhaufen entdecken. Beide Haufen sind am Vorstadthimmel noch auszumachen.

Die einige hundert Jahre später von Aristoteles entdeckten Sternhaufen M41 (CMa) und M39 (Cyg) sind wesentlich unauffälliger, und erscheinen dem bloßen Auge allenfalls als nebelige Flecke. Hipparch erwähnte wenig später zwei weitere etwas hellere Nebelflecken: Die Praesepe (M44) im Krebs und h+chi Persei (NGC869+884). M44 erscheint als sehr weicher Fleck, dessen Leuchten aus mehreren hundert Sternen rührt. Er liegt ungefähr 525 Lichtjahre entfernt. Der Doppelsternhaufen im Perseus ist als schwaches Glühen in Form einer 8 zwischen Cassiopeia und Perseus zu entdecken und enthält hunderte sehr leuchtkräftige Sterne, die jeweils etwa die Fläche des Vollmondes bedecken. Ptolemaeus fügte dem noch den Coma Haufen (Mel 111) und M7 (Skorpion) hinzu.

Die Konstellation des Coma Berenice Sternhaufens ist als gesprenkeltes Glühen erkennbar, in der Form eines umgekehrten Y. Die Sterne sind nicht heller als 5mag. Ich weiß noch genau, ich kannte den Namen des Sternbildes - Haar der Berenike - schon lange ehe ich zum ersten Mal den Sternhaufen bei hervorragendem Himmel mit unbewaffnetem Auge sah. Da erkannte ich erst woher das Sternbild seinen Namen erhielt. Er ist tatsächlich äußerst zutreffend. Wie wehendes Haar im Wind breitet sich der Goldschleier des Sternhaufens in der schwachen Konstellation aus.

Alles in allem waren bis zum 10. Jahrhundert 14 "nebelige" Objekte beschrieben worden. Versucht man auf den Spuren unserer Vorgänger zu wandeln, wird man bemerken, dass es sich bei allen 14 Objekten um nicht allzu schwierige Objekte handelt (eine Ausnahme bildet M7. Er ist von Österreich aus weit im Süden und deshalb nicht ganz einfach. Ptolemäus befand sich aber viel südlicher und damit in der besseren Position). Tatsächlich sind viele weitere Objekte mit bloßem Auge sichtbar. Man sollte jedoch bedenken, dass wir heute die Lage vieler weiterer relativ heller Objekte sehr genau kennen - eine wesentliche Grundvoraussetzung für die Sichtung mit bloßem Auge. Darüüber hinaus sind einige Objekte wie der große Wagen erst heute als physisch zusammengehörende Sterngruppen erkannt.

Erweitern wir die Liste der mit bloßem Auge sichtbaren Objekte um einige prominente Kandidaten: Da wäre noch M6 im Skorpion, M11 (Wild Duck Cluster) im Schild, M23 und M25 im Schützen, M34 im Perseus, M35 in den Zwillingen, M37 im Fuhrmann, M47 in Puppis, M48 in der Hydra, NGC750 in Andromeda, M13 im Herkules, M5 in der Schlange, M 22 im Schützen. Die Dunkelwolke im Schwan, M33 im Dreieck u.v.a.m.


M11 Der Wildenten Haufen

Die Verwendung eines einfachen 10x50 Fernglases (10fache Vergrößerung, 50mm Objektivlinsen-Durchmesser) erweitert den Sichtbarkeitshorizont drastisch. Ein Stativ ist jedoch auch bei leichten Geräten unbedingt zu empfehlen. Selbst ein 10x50 wird bei längerer Beobachtung nicht zitterfrei zu halten sein und bei der Deep-Sky Beobachtung sollte man dem Auge viel Zeit lassen können sich auf ein Objekt einzustellen.

Die Vorteile des Fernglases sind das große Gesichtsfeld und die einfache Handhabung, der Nachteil die konstante Vergrößerung. Ich habe über viele Jahre hinweg erfolgreich und mit viel Freude Deep-Sky Beobachtungen mit zwei Ferngläsern der Größen 10x50 und 11x80 durchgeführt. Besonders auf Reisen sind das geringe Gewicht, die Handlichkeit und die schnelle Einsatzbereitschaft des Fernglases - neben dem beidäugigen Einblick - ein großes Plus. Daneben lernt man spielerisch sich am Himmel zurechtzufinden. Viele Galaxien sind mit einem 11x80 bereits aufzustöbern und nicht nur knapp an der Sichtbarkeitsgrenze sondern bei gutem Himmel richtig hell. Greifen wir die Leo Galaxien M 65 und M66 exemplarisch heraus, so bemerken wir, dass sie am lichtbelasteten Himmel einer mittleren Stadt selbst mit einem 8 Zöller nur hin und wieder auszumachen sind. Unter Landhimmel sind sie hingegen mit dem 11x80 Fernglas bei direktem Sehen einfach in ihrer Größe und Lage als zwei prominente Lichtinseln zu erkennen.

Wer die Möglichkeit hat einmal in einem 20x100 Fernglas im Virgo-Galaxien-Haufen zu stöbern sollte dies unbedingt wahrnehmen. Zig Galaxien tummeln sich da gleichzeitig im Gesichtsfeld. Mit keinem anderen Instrument bekommt man solch ein Gefühl dafür wie gigantisch und erhaben dieser Galaxien-Haufen tatsächlich ist. Besonders für die offenen Sternhaufen der Milchstraße ist das kleinere Fernglas das Universalgerät. Sie werden kaum ein Teleskop finden, in dem sie h+chi Perseus und den Sternhaufen Stock 2 gemeinsam im Blickfeld haben. Stock 2 sieht aus wie ein Strichmännchen, das seine Arme in Bodybuilder-Pose in die Luft reckt, weshalb der offene Haufen mit recht unter der Bezeichnung "Muskelmännchen" geführt wird. Nach einem kleinen Schwenk Richtung Norden fällt der Blick auf die zahllosen Sternhaufen der Cassiopeia. Manche bilden Figuren und erhielten treffende Namen wie der "Eulenhaufen", dessen Form einer auf einem Ast hockenden Eule gleicht. Sogar die "Augen" fehlen in dem Sternhaufen nicht. Überhaupt tummeln sich am Himmel einige sehr attraktive Sterngruppen, die leicht mit ihren Namen zu identifizieren sind wie der Weihnachtsbaumhaufen im Einhorn, der schon erwähnte Kleiderbügel, oder M6, der den Beinamen Schmetterlingshaufen trägt.

Für große Gesichtsfelder gibt es viele schöne Ensembles am Himmel. Dazu gehört zum Beispiel der Anblick des Running-Man-Asterismus im Orion gemeinsam mit M42. Wie das Muskelmännchen ist die Sterngruppe nördlich von M42 als laufendes Strichmännchen zu identifizieren - daher der Name. Zu den Sahnestückchen für das Fernglas gehört weiters Kemble's Cascade. Zu finden in der doppelten Distanz gemessen über Cassiopeia Richtung Camelopardalis. Wie ein Katarakt "fließen" etwa gleich helle Sterne zielstrebig zum Cluster NGC1502, der den "Mündungsteich" bildet. Diese schöne Figur ist für Teleskope wesentlich zu groß.

Teleskopkauf

Wir sehen - das bloße Auge und das Fernglas haben eine völlig eigenständige Berechtigung bei der Deep-Sky Beobachtung. Schließlich wird man aber doch den Kauf eines Teleskops in Erwägung ziehen, denn das Teleskop bringt einen weiteren Aspekt des nächtlichen Sternenhimmels ein: die Detail-Beobachtungen. Sternhaufen, planetarische Nebel, Gasnebel, Kugelsternhaufen, einige Galaxien - sie erscheinen nun weniger in ihrem gesamten Umfeld, offenbaren aber ungeahnte Einzelheiten. Zur Wahl des "richtigen" Teleskops ist bereits viel geschrieben worden, meistens über die Vor- und Nachteile einzelner Optiktypen. Grundsätzlich steht man zunächst vor der Entscheidung Dobson (üblicherweise ein Newton-Teleskop auf azimutaler Plattform) oder Fernrohr auf parallaktischer Montierung und jeder Astro-Händler - oder zunächst die Vereine werden gern Auskunft geben. Bevor es zum Kauf kommt, sollten aber jenseits aller Fragen zur Optik noch folgende Antworten gefunden werden:

Bedenken sollten sie noch folgendes: Die Freude am Hobby richtet sich längerfristig auch nach der Häufigkeit mit der man es mit einer gewissen Mindest-Bequemlichkeit ausüben kann.

Vergrößerung / Gesichtsfeld

Große Gesichtsfelder sind gerade für den Deep-Sky Bereich natürlich von Vorteil. Die vielen am Markt angebotenen Geräte mit großen Öffnungsverhältnissen deuten schon darauf hin. Aber das man für die Deep-Sky Beobachtung am besten nur mit kleiner Vergrößerung arbeiten sollte ist falsch. Diese Ansicht stammt aus einer Zeit, als erschwingliche Okulartypen Eigengesichtsfelder von nur 50° und weniger hatten. Moderne Weitwinkel-Okulare besitzen bis zu 85°. Der "Tunnelblick" entsteht also auch nicht bei höherer Vergrößerung. Außerdem steigt die stellare Grenzgröße bis zur maximal sinnvollen Vergrößerung (über den Daumen gepeilt etwa zweimal der Objektiv-Durchmesser). Der Vorteil eines Teleskops liegt ja gerade darin, beide Bereiche ausloten zu können. Gute Okulare haben natürlich ihren Preis! Es lohnt daher auf jeden Fall besser einen kleinen aber hochwertigen Okular-Bestand sein Eigen nennen zu können. Ein langbrennweitiges Übersichtsokular mit großem Gesichtsfeld, eines mit mittlerer Brennweite und eine gute 2fach Barlowlinse garantieren Freude für viele Beobachtungsnächte.

Die Wichtigkeit der Qualität eines Okulars wird leider noch hin und wieder unterschätzt. Wobei ich gerne einige persönliche Gedanken beisteuern möchte: Zuerst sollte die Abbildung in der Bildmitte selbstverständlich scharf sein. Leider wird nicht einmal diese Minimalforderung von allen Exemplaren erfüllt. Eine gute Randschärfe ist ebenfalls wichtig jedoch ein wenig zu relativieren. Bei kleinen Bildfeldwinkeln sollte auch der Bildfeldrand scharf sein, weil er immer im Blick liegt; während es bei den für den "Spacewalk-Effekt" nötigen Riesenbildwinkeln nicht ganz so wichtig ist, dass der nur im Augenwinkel liegende Bildrand noch scharf erscheint.

Das Einblickverhalten ist ein oft zu wenig beachtetes Kriterium zur Okularauswahl, weil es nicht direkt die Qualität wiedergibt. Es trägt jedoch stark dazu bei ob man ein Okular als "bequem" empfindet oder nicht.

Ein Aspekt des Einblickverhaltens ist der Augenabstand. Um bei Okularen mit kurzer Brennweite das komplette Bildfeld ausnutzen zu können, muss man bei den meisten Typen sehr nahe an die Augenlinse, was für Brillenträger schwierig bis unmöglich ist. Bei langbrennweitigen Okularen kann dagegen der Fall eintreten, dass man einen sehr großen Abstand halten muss, da sich sonst das Bild ganz oder teilweise verdunkelt. Leider bedeutet großer Abstand auch eine hohe Empfindlichkeit für seitliche Bewegungen, d.h. man verliert das Objekt leichter aus dem Blick. Ich habe hier als Brillenträger die Erfahrung gemacht, dass manche dieser Okulare für mich sehr bequem sind, während eine normalsichtige Person mit dem Verdunklungseffekt viel schwerer zurecht kommt. Einige Okulare haben praktische Distanzstücke, die mit den vorhandenen Gummimuscheln kombiniert werden können, wodurch dem Auge eine Auflagefläche geboten wird, die eine störende Bewegung verhindert. Überhaupt haben Gummiaugenmuscheln große Vorteile. Einerseits machen sie das Anlegen des Auges bei Kälte angenehmer, andererseits verhindern sie Kratzer bei Brillenbenutzung. Den Streulichtschutz, den die Muschel zusätzlich bietet, wird man bei störenden Lichtquellen sehr schnell schätzen lernen.

Vorbereitung und Checkliste

Für diejenigen, die erst einen dunklen Standort aufsuchen müssen, hat sich eine Checkliste bewährt. Erst die Sicherheit nichts vergessen zu haben und entsprechend vorbereitet zu sein macht vor Ort ein entspanntes Beobachten möglich. Jeder wird seine persönliche Liste aufstellen müssen - es ist aber eine einmalige und geringe Mühe im Vergleich zur gewonnen Sicherheit.
Zudem gibt es natürlich ein paar Dinge, die für alle aktiven Beobachter gleichermaßen von Belang sind.

Eine Binsenweisheit aber trotzdem wichtig: Machen sie es sich so bequem als möglich. Beim entspannten Okulareinblick steigt nicht nur die Freude am Beobachten sondern es werden dadurch erst beste Ergebnisse ermöglicht.

Das Aufsuchen der Objekte

Haben sie eine parallaktische Montierung, reicht die grobe Ausrichtung für visuelle Beobachtungen aus. Ein guter Sucher erledigt den Rest. Wer mit Astrocomputern arbeitet, erleichtert sich die Sucharbeit, lernt aber dabei den Himmel nicht wirklich kennen. Für „Dobsonianer“ ist das Starhopping die adäquate Methode. Dabei tastet man sich mit Hilfe von Karte und Sucher zum gewünschten Feld vor, springt von einem Stern zum nächsten. Für Starhopping ist ein langbrennweitiges Okular günstig. Ein Tipp für Dobsonianer: Mit Gesichtsfeldschablonen für die Okulare ist Starhopping wesentlich leichter weil dann der Maßstab bekannt ist. Eine Schablone wird hergestellt, indem man auf einem Stück Folie mit einem wasserfesten Stift Kreise zeichnet, deren Durchmesser dem Okular-Gesichtsfeld im Maßstab der verwendeten Karte entspricht.

Ein Tipp für Benutzer parallaktischer Montierungen: Bei der Benützung von Teilkreisen muss nicht unbedingt mit der Sternzeit jongliert werden. Über relative Winkel sind Objekte recht schnell eingestellt. Dazu wird ein einfach zu findendes Objekt aufgesucht und die Koordinatendifferenz zum gewünschten Objekt eingestellt. Klingt kompliziert, ist es aber nicht.

Ein Beispiel: Stellen sie den Stern beta Crv in die Mitte ihres Übersichtsokulars und die Deklinations-Achse auf Null. Schwenken sie anschließend die Dek-Achse auf 12° und schon ist die Sombrero Galaxie M104 im Gesichtsfeld. Das einzige benötigte Hilfsmittel dazu ist ein Sternatlas mit Koordinaten-Angaben wie zum Beispiel Karkoschka´s Atlas für Himmelsbeobachter.

Das indirekte Sehen

Bei hellen Objekten wie Planeten oder Mond schaut man durchs Okular direkt auf das Bild und das Licht fällt im Auge auf den sogenannten zentralen Fleck. Hier überwiegen Sinneszellen zum Farbsehen. Lichtschwache Objekte sollte man aber besser mit den Stäbchen, den wesentlich lichtempfindlicheren und für das Hell-Dunkel-Sehen zuständigen Zellen des Auges, beobachten. Diese sind um den Zentralen Fleck angeordnet. Um sie einsetzen zu können, wendet man das "indirekte Sehen" an. Wenn Sie mit dem rechten Auge beobachten, schauen sie rechts am Beobachtungsobjekt vorbei, wenn Sie mit dem linken Auge beobachten, links. Sie leiten damit das Licht zu den empfindlichsten Partien der Netzhaut und erblicken das Objekt dadurch heller und deutlicher. Am Anfang richtet sich der Blick nach der Erst-Wahrnehmung gern reflexartig wieder direkt auf das Objekt wodurch es wieder verschwindet. Das "Danebenschauen" bedarf daher Anfangs ziemlicher Konzentration, ist aber nach einiger Übung genauso einfach wie der direkte Blick. Bei der Beobachtung extrem schwacher Objekte hilft neben dem indirekten Sehen - den Tubus ein klein wenig hin und her zu kippen, da das Auge gut auf Bewegung reagiert. Beobachten Sie hin und wieder zu zweit und beschreiben Sie einander Ihre Eindrücke. Das beugt Illusionen vor.

Einsatz von Filtern

Filter sollen den Kontrast zwischen Objekt und Himmelshintergrund steigern. Dies geschieht bei Interferenzfiltern durch Ausfiltern bestimmter Wellenlängen. Der UHC (Ultra High Contrast) Filter ist der erklärte Allround-Filter für den Deep-Sky Beobachter. Er erhöht den Kontrast bei Objekten, die mit dem Entstehen oder Vergehen von Sternen zu tun haben erheblich. Gleichzeitig ist seine Bandbreite so groß, dass unterschiedliche Emissionslinien passieren können, und eine große Anzahl von Sternen sichtbar bleibt. Der Filter ist deswegen schon ab 2 Zoll Öffnung einsetzbar.

Filter helfen zwar bei manchen Objekten erheblich. Gute Beobachtungsplätze sind aber durch technische Hilfsmittel alleine nicht zu ersetzen. Es gibt darüber hinaus Objekte die fast gar nicht auf visuelle Filter reagieren, da sie auf allen Wellenlängen ziemlich gleichmäßig strahlen. Galaxien haben solche Kontinuums-Spektren, aber auch manche planetarische Nebel wie M1.

Aufzeichnungen

Ein wichtiger Teil der astronomischen Beobachtung ist das schriftliche Festhalten des Erlebten. Schon nach wenigen aktiven Beobachtungsnächten ist es unmöglich sich an alles Gesehene und Erlebte genau zu erinnern. Notieren Sie daher jede Beobachtung - selbst die Misserfolge!

Das Beobachtungsbuch sollte so einfach wie möglich gehalten werden. Eingetragen wird natürlich nicht am Nachthimmel, sondern später, wenn genügend Zeit vorhanden ist. Unter dem Sternenhimmel macht man vielleicht eine einfache Skizze und notiert die wichtigsten Daten. Sehr nützlich zum Festhalten des Eindrucks eines Objekts ist ein Diktiergerät. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Bemerkungen genauer und ausführlicher werden, wenn man einfach drauflos plappert was einem einfällt, anstatt es aufzuschreiben. Ein weiterer Vorteil: man braucht keine Taschenlampe, Stift und Papier, um seine Gedanken loszuwerden. Wenn ich mir am nächsten Tag die Aufnahmen anhöre, kann ich mich überdies besser an den Eindruck am Okular erinnern, als wenn ich eine schriftliche Aufzeichnung lese.

Durch Zeichnen oder Beschreiben der Objekte wird ein intensiveres Beobachten erzielt. Beide Methoden zwingen zu sehr genauem Betrachten. Da ich persönlich mit dem Zeichnen nicht gut zurecht komme, konzentriere ich mich lieber auf die Objektbeschreibung. Jede Objektklasse verlangt dabei unterschiedliche Angaben. Stets gehören außerdem Angaben zum Seeing (z.b. nach den Skalen von Antoniadi oder Pickering), zur Transparenz, zum Beobachtungsort und zur verwendeten Ausrüstung dazu. Geben sie bei Doppelsternen zum Beispiel an wie sie die Helligkeit wahrgenommen haben. Haben sie die Sterne direkt oder indirekt gesehen? Welches war die beste Vergrößerung? Befanden sich andere Objekte im Feld? Oder beschreiben sie beim Beobachten offener Sternhaufen folgende Punkte: Hebt sich der Sternhaufen gut vom Sternenhintergrund ab? Ist der Haufen arm oder reich an Sternen? Ist er komprimiert oder locker? Sind Teile unaufgelöst? Gibt es Zonen in denen die Sterne stärker oder schwächer konzentriert sind, oder fehlen sie? Für Nebel könnten folgende Kriterien betrachtet werden: Wie ist die Helligkeitsverteilung des Nebels? Ist der Rand scharf oder diffus? Gibt es Sterne im Nebel? Wie wirken Filter? usw.

Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt und sie finden sicherlich selbst genügend Kriterien, um ihr Beobachtungsbuch ab dem nächsten Beobachtungsabend erfolgreich mit Skizzen und Beschreibungen zu führen. Viel Freude dabei.

Kleine Literaturliste für Deepsky-Einsteiger

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