2004-Jul-22

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 23:00-00:00MESZ
Seeing: 3/10, sehr schlechte Transparenz, sehr dunstig
Grenzgröße: 3mag
Beobachtungsgerät: Refraktor 102/500, Canon 300D
Thema: M11, Cr399

Durch den Dunst in höhere Deklinationen gezwungen, besuchte ich heut als erstes den offenen Sternhaufen IC 4756. IC 4756 liegt nahe dem Schwanz der Schlange, an jenem Punkt wo die Schlange an den Schlangenträger und an den Adler grenzt in einem ziemlich sternreichen Gebiet der Milchstraße. IC 4756 ist ca. 1300 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Klingt nach "ziemlich weit weg" ist aber auf der galaktischen Skala praktisch vernachlässigbar. Das Bild zeigt die Richtung in die wir blicken, wenn wir auf diesen offenen Haufen blicken.
IC 4756, relativ position
Nach Karkoschkas Beschreibung (wenige, unauffällig verstreute Sterne) würde man nichts besonderes erwarten, jedoch zeigt sich die Kombination Richfield Refraktor und 2 Zoll Weitwinkel-Okular wieder einmal mehr als hervorragend geeignet für große Himmelsareale. Der 60 Bogenminuten große Sternhaufen hebt sich sehr wohl deulich vom Hintergrund ab, ist eindeutig in die Länge gezogen und nicht ganz rund und auch Sternreich. Er hat ungefähr die Form eines Sechsecks, wobei sich Sterne auf 3 Achsen konzentrieren, die ungefähr im 60 Grad Winkel zueinander angeordnet sind. Im Süden ist der Doppelstern STF 2375, ein enges Paar mit nur 2" Abstand, das aber mindestens 200fache Vergrößerung braucht und das ich natürlich mit meiner Apparatur nicht trennen konnte.

Nahebei im Nordwesten und schon im Sternbild Schlangenträger liegt NGC 6633, ein länglicher, unregelmäßiger und bei jeder Vergrößerung interessanter Haufen in ca. 1000 Lichtjahren Abstand.
Ca. 10 Grad südlich und etwas weiter im Osten hat man den großen Dunkelwolken-Einschnitt überbrückt und landet wieder in sehr dichtem Milchstraßengebiet. Hier liegt - neben einigen anderen offenen Haufen der großartige Wildentenhaufen - M11. Der letzte Besuch fand am 11. Juli 2003 statt. Genauere Informationen über den Haufen finden sich dort.

Im Richfield ist der Haufen sehr klein, bedeckt nur einen winzigen Bruchteil des Gesichtsfeldes. Dafür steht im gleichen Feld die schöne Sternkette die beim halbmäßigen Veränderlichen R Sct beginnt und bei Alpha Sct endet. Erst bei 50facher Vergrößerung lässt sich der gewaltige Sternreichtum des Haufens erahnen. Der Haufen ist aber noch lang nicht aufgelöst. Dazu braucht es aber nicht nur höherer Vergrößerung sondern auch eines besseren Himmels.

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Und noch einmal der Kleiderbügelhaufen im Füchschen. Den Collinder- Haufen hab ich nochmal aus folgenden Gründen unter die Lupe genommen:


Interessant auch, dass Ende der Achziger Jahre des 20. Jahrhunderts Pavlovskaya und Filipova herausgefunden haben, welche Sternhaufen im Raum eine gemeinsame Bewegung ausführen - also zum selben Milchstraßenarm gehören: Zu Cr 399 gehören demnach etwa 10 andere Sternhaufen u.a. NGC 6633, 6709, 6882, 6885, IC 4665 und auch die Plejaden.

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