2004-Jul-19

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 23:30-01:30MESZ
Seeing: 6/10
Grenzgröße: 3mag
Beobachtungsgerät: Refraktor 80/400, Canon 300D+100-300er Tele von Tokina bei 300 f/5
Thema: Sommer Klassiker

Kleiderbügel / Collinder 399: Ausgiebig beobachtet hab ich den Kleiderbügel zuletzt im Jahr 2000 und genauere Information dazu gibts daher hier

Gern übersehen wird, dass am östlichen Ende der waagrechten Linie des Kleiderbügels der NGC 6802 liegt. Das ist ein kleiner, aber dichter Offener Sternhaufen aus etwa 50 Sternen und steht naturgemäß im Schatten des winkelmässig wesentlich grösseren Kleiderbügelhaufens. NGC 6802 hat nur etwa drei Bogenminuten Durchmesser. Die hellsten Sterne sind etwa 13 mag, doch die Gesamthelligkeit liegt bei 8.8 mag. Daher hab ich mir eine kleine Chance für eine Sichtung ausgerechnet - aber leider Fehlanzeige. Auch im 9mm Okular ließ sich NGC 6802 nicht blicken.

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Hantelnebel / M27: Hantelnebel M27 mit dem 25mm TAL Plössl un dem 80/400 Refraktor präsentiert sich wunderbar schwebend in dem reichen Milchstraßenfeld, obwohl es heute sehr dunstig ist. Tagsüber gab es viele Wolken und es war ziemlich schwül, aber spät Nachts wurde die Temperatur recht angenehm. Es sind immerhin einige Sterne des Schützen sichtbar. Jedoch erst in der Höhe von Atair bginnt der Himmel dunkel zu werden. Darunter ist die Streuung des Stadtlichtes an den Dunstschichten doch sehr unangenehm. Visuell ähnelt der Hantelnebel mehr einem Flaschenkorken. Die "Ohren" sind nicht zu erkennen. Der Nebel ist hell und klar begrenzt, auch bei direkter Draufsicht und unter Stadtbedingungen einfach. Das Zentrum ist heller als die Randbereiche. Auch die Umgebung ist sehenswert - ein auffällig heller Stern steht nördlich. Viel Zeit war nicht zum Beobachten, denn der Hantelnebel steht fast zu hoch für meine Beobachtungs-Nische. So war er nach 20 Minuten schon zu weit nördlich und vom Fensterstock verdeckt.

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M 71: Kugelsternhaufen sind in 12 Klassen, basierend auf sinkender Konzentration der Kernregion eingeteilt. Kleinere Nummern geben größere Konzentrationen an. Karkoschka beschreibt das im "Atlas für Himmelsbeobachter" überblicksmäßig so: 1-4: Kern hell, klein, konzentriert, 5-8: mittelmäßig konzentriert, 9-12: gleichmäßig ohne erkennbaren Kern.

Die Klassifizierung ist nicht immer einfach. Ein typisches Beispiel hierfür ist M71 im kleinen Sternbildchen Sagitta, dessen Zugehörigkeit zu den Kugelsternhaufen immer noch ungewiss ist. Viele Astronomen hielten ihn für einen sehr dichten offenen Sternhaufen, vergleichbar mit M11. James Cuffey vom Kirkwood Observatory, hat beide Sternhaufenarten untersucht und fand heraus, dass M71 mehr einem lockeren Kugelsternhaufen gleicht; als er allerdings später ein Farben-Helligkeitsdiagramm aufnahm, wies dieses wiederum mehr Ähnlichkeiten mit dem eines offenen Sternhaufens auf. Das Rätselraten geht also weiter.

Also - selbst nachgucken :). M71 ist einfach zu finden zwischen den Sternen Delta und Gamma im Sternbild Pfeil. Mit einer Helligkeit von 8,5mag sieht man ihn schon mit dem Fernglas, für eine Auflösung sind allerdings Teleskope ab 6 Zoll nötig. Bei meinen heute 3 Zoll konnte ich daher nichts auflösen, jedoch war mit dem 9mm Okular durchaus eine leichte Granulation zu erkennen und auch die etwa dreieckige Form. Für Kugelsternhaufen typisch wäre eine Mittenkonzentration, im 3 Zöller ist jedoch keine erkennbar. Der Haufen erscheint gleichmäßig hell über die ganze Fläche. Erstaunlich war, dass der Haufen ziemlich hell erschien. Ich hatte schon ein paar Mal Schwierigkeiten ihn in der Stadt überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Heute war er aber sogar mit dem 25er Okular deutlich. Auch die Umgebung ist durchaus sehenswert - besonders eindringlich und wegweisend ist das westlich liegende Y, das auf den ersten Blick von 4 Sternen gebildet wird, zwischen denen sich aber noch viele weitere verbergen.

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...und wenn man schon mal da ist kann man von Alpha Sagitta aus folgendes probieren: Etwas nach rechts stellen im Gesichtsfeld (mit Zenitspiegel!) und dann fast 50 Grad in Deklination nach unten kurbeln. M55 und Alpha Sagitta liegen nämlich praktisch auf derselben Rektaszension. Bloß war da unten tief im Süden wieder mal der typische städtische Weißlicht-Nachthimmel. Nach einiger Gewöhnungszeit liefert das Auge schon noch ein wenig mehr Kontrast und tatsächlich konnte ich die beiden unweit nördlich stehenden gleich hellen Sternchen ausmachen. Der Kugelsternhaufen blieb aber leider selbst mit allen Beobachtungs-Tricks im Dunst versteckt.

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