2004-Jun-25

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 23:00-01:00MESZ
Seeing: 5/10
Grenzgröße: 4mag
Beobachtungsgerät: Refraktoren 80/400, MAK 90/500, Canon 300D
Thema: Sagittarius

M10: Den Kugelsternhaufen im Schlangenträger hab ich schon oft beobachtet, heut ist er das Testobjekt für die Nachführung, weil ich gern bei 500mm auf 3 Minuten kommen würde. Tatsächlich hatte ich zunächst noch eine Drift drinnen, konnte diese jedoch durch Drehen der Montierung gegen den Uhrzeiger beheben (etwa 1mm). Trotzdem die Position der Montierung jetzt hinhaut, sind nicht alle 3 Minuten Belichtungen zu gebrauchen. Hin und wieder scheint die Monti wieder mal ein wenig zu ruckeln und zu hüpfen, sodass manchmal drei Fotos hintereinander gut sind, aber dann wieder 2 schlecht. Nun, mir ist´s momentan genau genug. 5 Fotos von 10 waren brauchbar, also 5x3 Minuten und die Canon saß heut hinter dem MAK, kein Filter. Der Aufnahmemodus war M-High Quality und Spiegelvorauslösung. Das Bild zeigt nur den inneren Teil des Fotos mit dem hellen Kugelsternhaufen. Eingestellt wurde der Haufen von eps Oph aus - er liegt auf der selben Dekl, nur 40min östlich. Im 25er TAL Plössl zeigt sich eine nette Umgebung; westlich von M10 steht ein kleines rechtwinkliges Sterndreieck, östlich eine langgestreckte Raute, deren äußerer Eckpunkt deutlich heller ist. M10 steht zwischen diesen beiden Figuren. Visuell scheint der Sternhaufen nicht perfekt rund zu sein - beim indirekten Schauen wird der Kern größer, der deutliche Halo nicht.

Fotolink M10

M25: Der etwa Vollmondgroße offene Sternhaufen ist schon im 10x50 unter Stadtbedingungen auffällig. Im Haufen befinden sich zwei Riesensterne des Typs M und zwei vom Typ G. Nur die G Sterne sind echte Mitglieder. Desweiteren enthält er den Cepheiden U Sge, der eine Periode von 6.74 Tagen hat. Der Cepheide wurde 1956 von J.B. Irwin entdeckt. Die Anwesenheit eines Cepheiden deutet auch darauf hin, dass es sich nicht um einen sehr jungen Haufen handelt. Sein Alter liegt bei 90 Millionen Jahren (Sky Catalog 2000 gibt ein Alter von 89 Millionen Jahren an).
Die Angaben der Entfernung dieses Sternhaufens stimmen ungewöhnlich gut überein: sie geben einen Wert von etwa 2000 Lj an. Dies einer wahren Ausdehnung von etwa 23 Lichtjahren.

Fotolink M25

M 20 Trifidnebel: Der bereits Mitte des 18. Jahrhunderts von dem Franzosen Le Gentil entdeckte und von Charles Messier 1764 in seinem Katolag aufgenommene Nebel ist eines der Highlights des Sommerhimmels. Seinen Namen Trifid-Nebel bekam er von John Herschel, der als erstes die drei Dunkelbänder in seinen Beobachtungsberichten beschrieb. Der Nebel ist nicht schwer zu beobachten wenn der Himmel genug Transparenz aufweist. Die echte Schwierigkeit entsteht wiederum durch die sehr tiefe Lage am Südhorizont. Passt die Transparenz ist es sogar aus der Stadt heraus mit dem 3 Zöller möglich eine Ahnung der Dunkelbänder zu bekommen - allerdings kaum ohne UHC Filter. Unter dunklem Himmel ist er bereits mit kleinen Ferngläsern visuell sichtbar, mit entsprechender Beobachtungserfahrung können die Dunkelbänder schon mit einem 60mm Teleskop erkannt werden. Die Größe beträgt ungefähr 20 Bogenminuten bei einer Entfernung von 6000 Lj.
Der südliche Teil (auf der Aufnahme rechts) des Trifidnebels erscheint auf Farbaufnahmen rötlich und ist ein Emissionsnebel. Er besteht aus Wasserstoff, der durch die UV-Strahlung junger Sterne ionisiert wurde. Solche Wolken werden als HII-Regionen bezeichnet. Die dunklen Einschnitte des Nebels sind kalte Staubfetzen in denen die Sterngeburt noch nicht aktiviert wurde. Der nördliche Teil um den Stern SAO 186149 erscheint dagegen als Reflexionswolke blau. Weil hier alle 3 Staubwolkentypen der Milchstraße (Emissions-, Reflexions-, und Dunkelwolken) vereint sind, ist der Nebel für die Farbfotografie sehr interessant. Visuell erfasst man aber keine Farbe.
Das Hubble-Teleskop hat Anfang 2000 fühlerartige Nebelsäulen, die aus dem Trifidnebel "treiben" erfasst. Das Gebiet wäre auf dem Foto ganz im Südosten am Ende des nach rechts gerichteten Schlauches. Junge Sterne befreien sich in diesen "Fühlern" gerade von ihren Nebelschleiern und in einigen 10.000 Jahren werden dort helle, blaue Sterne strahlen.
Der Sternknoten links-mitte-unten ist der offene Haufen M21, der um ein Drittel näher liegt als M20. Am ganz rechten Rand des Fotos guckt der Lagunennebel rein. Foto 3x2m40

Fotolink M20 - Trifidnebel

Milchstraße im Schützen: Wie hell es in der Stadt tatsächlich ist zeigt dieses Foto. Der Himmel sieht so hell aus wie ein Abendhimmel, trotzdem ist die Milchstraße im Schützen als zarte Struktur deutlich erkennbar. Im Vordergrund liegt ein hell erleuchteter Straßenzug, im rechten unteren Bildeck befindet sich das städtische Krankenhaus. im Hintergrund der Stadt sieht man den flachen Höhenrücken des Rosaliengebirges. Trotz des stark aufgehellten Himmels sind viele Deepsky-Objekte erkennbar, die auch mit dem Fernglas einfach sind: Hoch im Norden M11 und M26, M16, M17 und die Milchstraßenwolke M24. Westlich davon der große Offene Haufen M23. Etwas weiter im Süden bilden M22-M28-M8 und M20-M21 einen großen Bogen. Von hier aus setzt sich eine helle Milchstraßenwolke nach Süden fort, die im Dunst verschwindet. Trotzdem sind hier ganz im Süden noch die Offenen Haufen M7 und M6 deutlich.Insgesamt 13 Messier Objekte sind hier vereint. 5 Sekunden nach dem Anklicken des Links sollte eine Beschriftung mit den M-Objekten erfolgen.

Fotolink Milchstraße

Viele Objekte des Schützen sind schon im 10x50 Glas einfach. Man übersieht deshalb wahrscheinlich gern die etwas schwächeren Objekte, die in ärmeren Regionen durchaus noch prominent wären. So nahm ich mir heute Zeit drei weniger beachtete Objekte zu suchen.
Die tiefen Sternhaufen M54, M70 und M69 sind beobachterisch mit 3 Zoll im Stadtgebiet eine richtige Herausorderung. Startpunkt war Zeta Sgr.
M54 ist nicht weit weg - ca. 2 Vollmondbreiten westlich und etwas tiefer - und war im 25mm unsichtbar; im 9mm Okular schließlich doch nach einiger Zeit indirekt auszumachen. Zeitweilig konnte ich ihn halten - allerdings nicht ständig. M54 gehört zu Messiers eigenen Entdeckungen vom Sommer 1778.
M70 liegt mit Dekl -32,29 schon unbequem tief...milchiger Himmel trotz guter Transparenz. Jetzt geht´s richtig los. M70 ist wirklich schwer. Die Kernpartie konte ich schließlich im 9mm halten. Zu finden ist er wenigstens leicht, da knapp nordöstlich ein markantes Dreieck zu finden ist. Messier fand ihn erst 2 Jahre nach M54 im August 1780. Am leichtesten von allen Drei Objekten fiel mir
M69, obwohl er noch ein kleines bisschen südlicher liegt und die gleichen Helligkeitswerte aufweist wie die vorherigen. Karkoschka beziffert alle mit 8mag/11mag und einer Größe von 4 Bogenminuten. M69 und M70 werden mit 30.000 Lj Entfernung angegeben, M54 steht mit 80.000 Lj viel weiter entfernt. Dementsprechend muss die wahre Ausdehnung von M54 etwa zweieinhalb mal größer sein als die der anderen beiden Kugelsternhaufen.
M69 ist wie M70 einfach zu lokalisieren. Zwei hellere Sterne gleicher Dekl. stehen südlich und bilden mit ihm ein rechtwinkliges Dreieck. knapp neben M69 steht außerdem ein sehr schwacher Stern und dient als Einweiser. Aufgrund der Nummer könnte man annehmen Messier hätte den Cluster knapp vor M70 entdeckt. Tatsächlich ist er aber von Nicholas Louis de la Caille entdeckt worden. Messier suchte ihn erstmals 1764, konnte ihn aber nicht finden. Erst 1780 war er mit einem besseren Teleskop erfolgreich und nahm ihn daraufhin in seinen Katalog auf.
Alle drei Objekte ähneln sehr schwachen, runden Kometen. Dass Messier sie von Paris aus überhaupt gesehen hat mit den damaligen Gerätschaften und natürlich ohne Kenntnis der genauen Lage ist unglaublich.

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