2004-Jun-14

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:30-00:30MESZ
Seeing:
Grenzgröße: 4mag
Beobachtungsgerät: Refraktor (102/500), Canon 300D
Thema: Südliche Messier Objekte

M62: Nach einem schönen Tag, an dem bloß einige Haufenwolken durchzogen und einem Abend an dem ein paar Zirren sichtbar waren zeigte sich gegen 22:00 MESZ, dass der Himmel für Stadtbedingungen heute sehr gut werden würde. Die Transparenz im Horizontbereich ließ mich hoffen, dass heut einige sehr südliche Messier-Objekte möglich sein könnten und so beschloss ich als erstes den Kugelsternhaufen M62 aufs Korn zu nehmen.
Chancen das Tiefstehende Objekt mittels Starhopping zu finden rechnete ich mir keine aus, deshalb suchte ich mit Hilfe der Teilkreise (so tief sind einfach zu wenige Sterne fürs Starhoppen mit dem Übersichtsokular vorhanden). Von Antares aus steht M62 nicht allzu weit entfernt, bloß eine halbe Stunde östlich in Rektaszension und 4° tiefer (M62 liegt auf -30,11°). Zunächst konnte ich im 2 Zoll 32mm Okular überhaupt keine Sterne in der Gegend erkennen, erst bei einiger Gewöhnung an den milchigen Hintergrund wurden Sterngruppen sichtbar. Mit etwas höherer Vergößerung, die den Kontrast verbesserte (20mm TAL Plössl) sah ich dann sofort und eindeutig das kleine Stern-Dreieck (der nördlichste Stern ist doppelt), das sich östlich des Kugelsternhaufens befindet. Und - Überraschung - der Kugelsternhaufen war mit dem 20mm Okular überhaupt kein Problem - einfach zu sehen, noch besser mit dem 9mm Okular.
Das Erscheinigungsbild ist nebelig und größer als ich es vermutete, weil nicht nur der Kernbereich sichtbar war, sondern auch ein Halo (ca. 8 Bogenminuten Durchmesser). Also alles in allem ein erstaunlich einfaches Objekt - auch im Stadtbereich - vorausgesetzt die Horizonttransparenz ist gut genug. Messier fand diesen Sternhaufen übrigens bereits 1771, aber eine genaue Messung der Position führte er erst 8 Jahre später durch, so dass der Eintrag in den Katalog dieses Datum erhielt. Mit seinem großen Spiegelteleskop sah Herschel, dass M62 deformiert und ziemlich unregelmäßig ist - vielleicht wegen seiner Nähe von nur 6000 Lichtjahren zum galaktischen Kern. Mit dem 4 Zöller ist von der Deformation nichts zu sehen, M62 erscheint rund. Auf jedem Foto mit Brennweiten ab 500mm zeigt sich aber der KS in Richtung Nord sehr ausgefranst und tatsächlich weit entfernt von der Form einer perfekten Kugel.

M19: Etwas weiter nördlich befindet sich der Kugelsternhaufen M19 - dem M62 sehr ähnlich in Größe und Flächenhelligkeit, allerdings mit 30.000 Lichtjahren 10.000 Lichtjahre weiter entfernt. Er liegt beinahe auf der selben Rektaszension und nur etwa 4° höher und war dadurch blitzschnell eingestellt. Schon im 20mm Okular sieht man, dass er oval und nicht rund ist. Shapley erwähnt eine Elliptizität von 9. Auch hier war bei keiner Vergrößerung eine Auflösung möglich - nicht einmal im Randbereich. M9 ist wahrscheinlich noch näher am galaktischen Zentrum als M62. Sein scheinbarer Winkeldurchmesser von 9.3 Bogenminuten entspricht einer tatsächlichen Ausdehnung von 70 Lichtjahren. Im Norden und Westen wird das Licht durch interstellaren Staub deutlich abgeschwächt, da der Haufen an der Kante eines Dunkelnebels liegt. das Licht wird wahrscheinlich um fast 1mag abgeschwächt.

M7: Die nächste Suche galt M7. Ausgangspunkt war Epsilon Sco. Epsilon Sco ist zwar mit 2,3mag sehr hell, allerdings wieder sehr tief mit -34°. Er ist schon oft in der städtischen Dunstglocke ersoffen, heute war er allerdings direkt und einfach sichtbar. M7 liegt noch einen Monddurchmesser tiefer, was aber im großen Gesichtsfeld des 32mm 2 Zoll Okulars völlig egal ist. Dann wird genau eine Stunde in Rektaszension nach Osten gekurbelt und schon ist M7 im Glas. Bloß schien da eine Wolke direkt drunter zu stehen und die Sicht etwas zu behindern. Ich wechselte aufs 20er Okular und erst da bemerkte ich, dass die Wolke gar keine Wolke ist, sondern der Höhenrücken des Rosaliengebirges. M7 war gerade erst über den weit entfernten Baumwipfeln aufgegangen.
M7 ist mit 3mag und fast dem doppelten Vollmond-Durchmesser eigentlich ein Sternhaufen für das bloße Auge (Entfernung nur 900Lj). Seine Flächenhelligkeit beträgt allerdings nur 12mag und damit versteckt sich diese schöne Konstellation gern vollkommen hinter der städtischen Dunstglocke. Er ist außerdem das südlichste Objekt, das Messier verzeichnet hat.

M6: Nur 7 Minuten nach Westen und 5 Monddurchmesser höher liegt der dichtere und kleinere Sternhaufen M6. Er ist mit 4mag etwas schwächer als M7, hat allerdings eine höere Flächenhelligkeit (Entfernung 1800 Lj). Mit der schwächsten Vergrößerung erscheint er länglich-rechteckig. Aber schon bei 25facher Vergrößerung zeigen sich die Flügel des "Schmetterlings", die dem offenen Sternhaufen den Namen geben.

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IC 4665:Zum Entspannen schwenkte ich den kleinen Refraktor in höhere Regionen der Milchstraße, wo der Himmel doch deutlich besser ist und suchte den Sternhaufen IC 4655 auf. Er "klebt" fast an beta Ophiuchus dran - ist nur ein klein wenig Nord-Östlicher. IC 4655 ist ein absolutes Fernglas-Objekt und dort auch am schönsten. Großes Gesichtsfeld und kleinste Vergrößerung sind für diesen 50 Bogenminuten großen Haufen notwendig. Am besten wirkt er daher auch im 32mm Okular das mit dem 102/500 Refraktor nur 15fach vergrößert, dafür aber eine AP von fast 7mm erzeugt.

Obwohl ich nach IC 4665 Schluss machen wollte, war der Schütze nun doch zu verlockend. So guckte ich mich mit dem 10x50 Fernglas ein wenig um und fiel sofort über den Kugelsternhaufen M22 in der Nähe von Lambda Sgr. Auch der Offene Haufen M25 war schon beim Drüberschwenken auffällig. Ebenso der Lagunennebel M8. Durch die gute Transparenz war er heute dem Fernglasanblick des Orionnebels absolut ebenbürtig. Sehr ausgedehnt, mit seinen eingebetteten Sternen ein Glanzpunkt des Sommerhimmels. Danach stattete ich noch M17 und M16 einen kurzen Bino-Besuch ab. Ebenfalls ein wunderbarer Anblick - allerdings nicht ganz so toll wie im Teleskop.

Schließlich blieb ich beobachterisch bei M22 hängen. Im Randbereich ist der KS locker und granuliert und damit schon zum Teil aufgelöst. In ihre Sterne aufgelöste Kugelsternhaufen gehören unbedingt zu den spektakulärsten Anblicken des Himmels. M22 ist für einen KS zimelich groß - immerhin 20 Bogenminuten Fläche deckt er ab. Seine Entfernung liegt bei 10.000 Lichtjahren und somit sein wahrer Durchmesser bei etwa 60Lj.

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Sagittarius: Zuletzt wollte ich noch eine Übersichtsaufnahe des Schützen versuchen - überlegte welche Brennweite das Stadtlicht wohl zulässt und entschied mich schließlich für ein 70mm Objektiv und 5x1 Minute bei 800ASA Belichtung. Auf der Aufnahme des nördichen Teils von Sgr sind gleich 5 Messier-Objekte vereint (Norden ist links).

Da ragt zunächst als auffälliges Objekt die Milchstraßenwolke, die Messier als 24. Objekt in seinem Katalog verzeichnete vom oberen Bildrand herein. Im unteren Bilddrittel rechts der Mitte steht der prächtige offene Sternhaufen M25. Er bedeckt etwa die Größe des Vollmondes und steht in 2500 Lichtjahren Entfernung. Der rötliche Emmissionsnebel links der Milchstraßenwolke ist M17 - der Omega- oder Schwanennebel. Wenn man ihn kennt, kann man die Form des Schwans leicht auf dieser Übersichtsaufnahme erkennen.

Im linken oberen Bildabschnitt liegt M16 - der Adlernebel mit seinem eingebetteten Sternhaufen. Ein Emmissionsnebel in 7000 Lichtjahren Entfernung. Dieser Sternenschwarm ist lediglich um die 5,5 Millionen Jahre alt - im Adler Nebel findet noch immer Sternestehung statt; dieses führt zu der Anwesenheit sehr heißer junger Sterne des Spektraltyps O6, die die Nebelmassen der Umgebung zum Leuchten anregen. Entdeckt wurde der Sternhaufen im Adlernebel von De Chéseaux 1745 oder 1746. Charles Messier erwähnte im Sommer 1764, dass er die Sterne "in ein schwaches Leuten eingebettet" sehen würde. Er scheint also den Nebel entdeckt zu haben.

Ein schwächeres Objekt und im Teleskop nur bei kleinster Vergrößerung auffällig ist der zwischen der Milchstraßenwolke und dem Schwanennebel gelegene kleinere offene Haufen M18. Er ist als kleiner Sternknoten vor dem Milchstraßenhintergrund erkennbar. Die heißesten Sterne in M18 gehören zum Spektraltyp B3. Damit scheint dieser Sternhaufen noch sehr jung zu sein. Sein Alter wird auf 32 Millionen Jahre geschätzt.

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