2004-Mai-11

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 20:30-22:10MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: -
Beobachtungsgerät: Fernglas 8x40, Canon EOS 300D
Thema: Komet C/2001 Q4 (Neat)

Manchmal gibt´s auch eher zufällige Highlights bei diesem Hobby, so wie heute. Komet C/2001 Q4 ist seit etwa 6. Mai auf der nördlichen Hemisphäre sichtbar Da ich momentan aber keinen Tag vor 22:00 heimkomme und der Komet ziemlich tief im Süd-Westen steht rechnete ich mir kaum Chancen aus, ihn überhaupt zu sichten. Außerdem ist die Wetterlage momentan nicht stabil mit häufigen Regenschauern und dichten Wolkenfeldern.

Doch grad am einzigen Tag, an dem ich schon um 18:00 zu Haus bin klart es bis 20:00 immer mehr auf. Um 20:30 nehme ich den 8x40 Feldstecher und guck mich erst einmal um. Venus steht hell im Westen und läuft Jupiter im Löwen an Glanz locker den Rang ab. Außer den beiden Planeten und Regulus ist aber noch nichts zu sehen - die Dämmerung ist noch zu hell. 21:15 starte ich den nächsten Versuch und ... nach wenigen Augenblicken ist der Komet im Fernglas zu sehen. Noch nicht besonders deutlich, da es immer noch ziemlich hell ist, aber doch schon erkennbar. Es steht etwas östlich und oberhalb der Achse Alpha-Beta CMi. Beta CnC und der Komet sind im selben Gesichtsfeld zu sehen. Noch ein kleines Stück weiter östlich und oberhalb der Position des Kometen liegt der Kopf der Hydra.

Mit zunehmender Dämmerung wurde er richtig hell (5mag schätzungsweise), und ein von der Sonne weggerichteter kurzer diffuser Halo - der Staubschweif - wurde gut erkennbar. Die zunehmende Helligkeit hatte allerdings stark mit der tiefen Lage und der hellen Stadtbeleuchtung zu kämpfen. Kurz vor 22:00 schoss ich 8 Bilder mit 210mm Brennweite und 8 Sekunden Belichtung bei 1600 ASA. Natürlich sind am Summenbild bei 8 Sekunden Strichspuren zu sehen und die ungünstige Lage, sowie die Stadtbeleuchtung ließen nicht viel Kometenlicht auf den Chip fallen. Trotzdem gibt das Bild einigermaßen den visuellen Eindruck wieder. Bei bestem Himmel ist der Komet vielleicht auch schon mit freiem Auge schwach sichtbar. Das Foto wurde mit CDC auf die Kometenposition hin verglichen. Die aktuelle Pos. am Foto lautet Ra:8h10m30,2s Dekl:+06°42m14s

Komet C/2001 Q4 (Neat) um 21:55 MESZ 

Entdeckung

C/2001 Q4 (NEAT) wurde am 24. August 2001 auf Aufnahmen des automatischen Überwachungssystems NEAT (Near Earth Asteroid Tracking) am 1,2m Schmidt-Teleskop des Palomar Observatoriums entdeckt. Der Komet befand sich damals in einer größeren Entfernung von der Erde als Saturn und hatte eine Helligkeit von nur 20mag. Nachfolgebeobachtungen am 26. und 27. August zeigten ihn bei etwa 17. Größe. Er zeigte eine runde Koma von 8" Durchmesser. Normalerweise kann NEAT in dieser Entfernung keine Kometen mehr sehen. Entweder war C/2004 Q4 damals sehr aktiv oder es handelt sich um einen besonders großen Kometen.

Die Entdeckung wurde im IAU Circular 7695 am 28. August 2001 bekannt gegeben. Allerdings war die Bahn aufgrund des kurzen Bogens noch sehr unsicher. Brian G. Marsden berechnete das Perihel für den 25.August 2005, also erst für 4 Jahre nach der Entdeckung. Zum Zeitpunkt der Entdeckung war C/2001 Q4 (NEAT) allerdings noch über 10 astronomische Einheiten von der Sonne entfernt und die Bahnberechnungen mit Unsicherheiten behaftet. Durch weitere Beobachtungen konnte die Bahn schließlich verbessert werden. Die aktuellen Ephemeriden zeigen, dass der Komet sein Perihel am 16. Mai 2004 (MESZ) erreicht. Die Periheldistanz beträgt dann 0.9619 astronomische Einheiten.

In den Jahren 2001 und 2002 wurde der Komet langsam heller, aber Anfang 2003 war er immer noch schwächer als 15. Größe. Zum Jahresende hin wuchs seine Helligkeit allerdings dann bis auf über die 10. Größenklasse an. Im Juli 2003 zeigten CCD-Aufnahmen von Amateuren einen fächerartigen kurzen Schweif.

Helligkeit

Der Komet wird seine größte Helligkeit wohl Anfang Mai erreichen. Das "Central Bureau for Astronomical Telegrams" gibt seit einigen Wochen die Perihelhelligkeit mit 0,9 an. Doch zeigen die Beobachtungen, dass sie wohl nicht so hoch ausfallen wird. Seit den ersten Prognosen (1.Februar 2004) liegt die tatsächlich beobachtete Helligkeit ständig deutlich unter der vorhergesagten. Extrapoliert man die Beobachtungsdaten erreicht der Komet wahrscheinlich eher eine maximale Helligkeit von 3mag.

Helligkeitsprognosen für Kometen sind mit einigen Unsicherheiten behaftet. Es gibt genügend Beispiele, bei denen vielversprechende Kometen dann doch weit hinter den Prognosen zurück blieben. Bekannt ist die Geschichte des Kometen Kohoutek (1973), der anfangs sehr aktiv war, letztlich aber dann doch nur eine bescheidene Vorstellung bot. Letztlich hängt die weitere Entwicklung davon ab, welchen Aufbau der Kometenkern hat und wie die Aktivitätszentren auf dem Kometenkern von der Sonne beschienen werden.

Durch die Sonneneinstrahlung erwärmen sich leicht flüchtige Gase, die anfangs im Kometenkern eingefroren sind. Dabei gehen sie direkt aus dem festen in den gasförmigen Zustand über (Sublimation). Diese Gase strömen dann als Gasjets vom Kometen weg. Je näher dieser der Sonne kommt, umso stärker werden die Gasströme. Verschiedene Gase wie Kohlendioxid, Stickstoff und Kohlenmonoxid sublimieren bei unterschiedlichen Temperaturen und damit bei verschiedenen Abständen von der Sonne. Die Gasaktivität hängt nun von der Stärke der Sonneneinstrahlung und der Menge des gefrorenen Gas auf der Kometenoberfläche ab.

Ein weiterer Einfluss kann durch die Lage der Rotationsachse des Kometenkerns herrühren. Wenn sie ungefähr mit seiner Bahnebene zusammen fallen sollte, gerät die bislang von der Sonnen beleuchtete Hemisphäre von C/2004 Q4 in die Polarnacht und stellt ihre Aktivität ein, während die gegenüberliegende Seite dann aufgewärmt wird. Dann würden völlig neue Gebiete auf der Kernoberfläche aktiviert, die eine anderen Helligkeitsverlauf ergeben können.

Sichtbarkeit

Für Beobachter in Mitteleuropa taucht er erst am 8. Mai auf, wenn er seine maximale Helligkeit erreicht hat. C/2001 Q4 hat eine hyperbolische, stark geneigte Bahn. Daher gewinnt er In den nächsten Tagen gewinnt er dann rasch an Höhe und wird nach nur wenigen Tagen sogar kurzfristig zirkumpolar.

Den geringsten Abstand zur Erde erreicht C/2001 Q4 am 7. Mai, einen Tag bevor er sichtbar wird. Dann beträgt sein Abstand zu unserem Planeten rund 48 Millionen km. Sein Perihel - den sonnennächsten Punkt - durchläuft er am 15. Mai knapp innerhalb der Erdbahn. 143,9 Millionen Kilometer trennen ihn dann von der Sonne.

Komet C/2001 Q4 Bahnverlauf 

Der Komet wandert ab dem 8. Mai über den westlichen Abendhimmel. Dabei läuft er aus dem Sternbild Einhorn, durch Krebs und Luchs in den Großen Bären. Da die Sonne im Mai immer später untergeht, wird der Himmel Mitte des Monats erst nach 23:30 MESZ vollkommen dunkel sein, Ende Mai sogar erst nach 24 Uhr. Je nach Helligkeit und Höhe des Kometen, können Beobachtungen aber auch etwas früher erfolgen. Dies dürfte übrigens der einzige Besuch des Kometen im inneren Sonnensystem sein wie die Grafik des Orbits zeigt.

Komet C/2001 Q4 Orbit 

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