2004-Apr-26

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:00-23:30MESZ
Seeing: 6/10
Grenzgröße: -
Beobachtungsgerät: Refraktor 120/1000 (Thara), EQ5, Philips Vesta Pro
Thema: Jupiter mit GRF

Gegen 22:00 war der Jupiter schön wie nie zuvor! Lag natürlich am erstmals brauchbaren Seeing dieser Saison. Es ist schon erstaunlich, wie sich das Seeing auch auf den Kontrast auswirkt. Dabei ließen leichte Schleierwolken am Abend nicht erwarten, dass es Nachts noch so genial wird. Um 22:00 öffnete die NEMO ihre Luken und meine Wenigkeit war ein wenig unschlüssig, welches Rohr wir heut scharfmachen sollten.

Nach Galaxien sah der Himmel nicht aus, nach Fotografieren schon gar nicht. Die Richfields fielen daher von vornherein weg. Mit dem größeren Refraktor Jupiter einzustellen ging sich vom Fensterbrett grade noch aus, aber nur weil ich das Rohr kopfüber unter die Montierung hing. Und dann kam der Schreck. Keine Scharfstellmöglichkeit. Schon bei 60fach wabebrte der dicke Planet wie verrückt. Also Vorhänge zu und nur das Objektiv rausgucken lassen. Das ist alles aufgrund verschiedener Dinge nicht so ganz einfach bei geöffnetem Fenster und aufgebautem Gerät. Aber nach einigen Turnübungen an denen Vater Jahn seine Freud gehabt hätte, war´s doch geschafft. Zwei Wäscheklammern fixierten den Anti-Seeing-Mantel knapp über und unterm dem Tubus.

Wieder ein Blick durch´s Okular...es war kaum besser. Also warten...derweil schraubte ich trotzdem etwas missgelaunt weil schon müde die Webcam an. Aus purer Gewohnheit drieselte ich zusätzlich die 5xPowermate dran. Tatsächlich lohnte sich die Wartezeit. Das Planetenscheibchen wurde immer ruhiger im Okular. Ich klappte den Klappspiegel also auf Webcam um und war völllig hin und weg....etwas zwei Minuten lang :))

Noch nie sah ich den GRF so deutlich am Bildschirm. Sekundenlang waren Details in den Hauptbändern zu sehen. Sogar die leichte zartbraune Tönung des GRF war hin und wieder zu sehen. Vor lauter Aufregung ließ ich ein Filmchen mit völlig falschen Einstellungen runter und dann noch zwei, bei denen ich die Nerven besser im Griff hatte. Nach wenigen Minuten waren gegen 22:13 2 Gigabyte im Kasten!

Jupiter um 22:13 MESZ  Jupiter um 22:43 MESZ

Und schließlich ließ ich mir noch den visuellen Genuss nicht entgehen. Bei 166fach (mehr ging nicht, aber das ist eine Vergrößerung die von der NEMO aus beinah ein Wunder ist!) ließen sich mit dem Kontrast-Booster Einzelheiten in der Bucht des GRF erblicken und die Wolkenbänder waren voll von kleinen Kringeln und Punkten. Gute 40 Minuten hing ich am Okular, solang bis mir die Augen schon fast zuvielen. Zur Zwischenrast nahm ich um 22:30 und 22:43 noch je ein Filmchen auf. Schön sieht man wie schnell Jupiter rotiert. 30 Minuten liegen bloß zwischen beiden Aufnahmen.

Seeingmäßig wird´s in den nächsten Jahren noch besser werden, wenn die Oppositionszeit mehr Richtung Frühling wandert. Aber für eine Fensterbrettsternwarte war´s diesmal schon einmalig.

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