2004-Apr-21

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:00-23:30MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: 3,7mag
Beobachtungsgerät: Refraktor 102/500 (Lilith), EQ5, Canon EOS 300D
Thema: Virgo Galaxien

Drei Wochen sind vergangen, seit das letzte Mal die Wolken einen kurzen Beobachtungsabend zuließen. Der Himmel hat sich seitdem schon deutlich Richtung Spätfrühling gewandelt und Virgo steht am späten Abend ziemlich genau im Süden. Jupiter kann ich von meinem stark eingeschränkten Gesichtsfeld aus nun nicht mehr erreichen, dafür entschädigen die Sternsysteme des Virgohaufens. Leider war die Transparenz nicht allzu berauschend. 3,7mag ist absolut kein Galaxienhimmel. Ich mied also von vornherein die ganz schwachen Objekte.

M104, die bekannte Sombrero Galaxie ist hart an der Sichtbarkeitsgerenze gewesen. Im 32mm Okular nicht wahrnehmbar, war sie im 15er dann doch einigermaßen klar per indirektem Sehen zu erkennen. 4 Zoll Öffnung sind natürlich wenig für Galaxien, bei dem hellgrauen Neustädter Himmel, wäre aber wahrscheinlich auch im 8 Zöller nicht viel mehr zu erkennen gewesen. Neben dem Kern tauchte nach längerer Betrachtung auch ganz schwach die Spindelform auf. Unterschiede zwischen verlaufender Nord- und scharfer Südgrenze (die Staubkante) konnte ich nicht sehen. Nach drei Wochen Astro-Abstinenz wird man aber demütig und freut sich auch über kleinste Sicht-Erfolge riesig :)

Die Canon wurde auch kurz angeworfen, diesmal mit dem Kontrast-Booster dazwischen wegen der Blausäume auf den Bildern. 3x120 Sekunden (400ASA) plus Darkframe zeigen die Galaxie schön in ihrem Umfeld.

Das Bild ist ziemlich vignettiert und der Booster ist schon ein wenig zu dicht für einen 4 Zöller. Die Histogramme waren aber in Ordnung. Kein Blau-Problem diesmal. Die auffällige Sterngruppe rechts seitlich und ein wenig oberhalb der Galaxie (3+1 Sterne) hat mir gut als Orientierungshilfe gedient - Sterne dieser Helligkeit waren die schwächsten visuell wahrnehmbaren.

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Der zweite ausgiebige Besuch galt M87. Visuell ist sie kein Problem, nicht mal bei schlechtem Himmel. Man sieht allerdings nicht mehr als den hellen Kern und je nach Himmelsgüte einen mehr oder weniger großen Halo um den Galaxienkern. Elliptische Galaxien sind visuell nicht grad der Überflieger.

Mich fasziniert M87 erst, seit ich einige Literatur über den Virgohaufen und im speziellen M87 gewälzt habe. Gegen dieses Monster ist die ganze Milchstraße mit ihrer unvorstellbaren Größe noch mickrig. Außerdem liegen viele Sternsysteme mit direkter gravitativer Bindung zu M87 in der Nähe. In guten Nächten tummeln sich im Großfernglas ein Dutzend Galaxien in einem einzigen Gesichtsfeld. Die Suche ist denkbar einfach, mit dem Richfield Refraktor war wieder mal kein Sucher nötig. Ca. 5 Grad Gesichtsfeld lassen Starhopping zum Kinderspiel werden und M87 war in wenigen Augenblicken eingestellt. Ein echtes GoTo Gerät ohne Steuercomputer :)). Sehr schwach konnte ich blickweise die eine oder andere Galaxie erkennen. Sicher zu halten war allerdings nur Virgo A.

Das 3x120 Sekunden Foto leidet natürlich wieder unter der gewaltigen Stadtaufhellung. Es gibt ziemlich genau den Anblick wieder, der in sehr transparenten und dunklen Nächten mit 15x80 Gläsern möglich ist. Ungefähr 10 Galaxien konnte ich am Bild rund um Virgo A identifizieren.

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