2003-Dez-18

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:30-00:00MEZ
Seeing nach Pickering: 3/10
Grenzgröße: 3,6mag
Beobachtungsgerät: Refraktor 102/500(Lilith) Okulare: 32mm 2" Weitwinkel (15fach) und 9mm 1,25" WW (55fach)
Thema: Wintermilchstraße

Nach etlichen Gläschen Punsch hat man zwar eine wichtige Regel für Deep-Sky Beobachtung erfolgreich missachtet, aber schließlich ist die freundschaftliche Kontaktpflege zu benachbarten Astrostationen auch ein wesentlicher Bestandteil der Hobby-Motivation (Huhu STELLA und Thohom *hicks*).

Die Wintermilchstraße ist reich an Stern-Kindergartengruppen weil sich in der galaktischen Scheibe bekanntlich jede Menge Staub befindet. Da bietet sich das Sternhaufen Hopping natürlich an. Trotzdem bildete den Start M78. Der Reflexionsnebel ist mein persönlicher Himmelstester, weil er ziemlich hell ist und auch bei Stadtbeleuchtung kaum zu übersehen ist. Heut war er mit 15fach eindeutig dreieckig, 2 gleichhelle schwache Sterne befinden sich ganz in der Nähe. Mit 55fach zeigte der Reflexionsnebel auch seine beiden in den Nebel eingebetteten Sterne. An dieser Stelle scheint er auch eine leichte Helligkeitsverdichtung aufzuweisen.

NGC 2244, der Sternhaufen im Rosettennebel ist bei 15fach nicht besonders auffällig in dem sternenreichen Umfeld. Er ähnelt einem flachgedrückten Sechseck - ein weiterer Stern markiert die Mitte und eine der Ecken ist doppelt. Ein Stern sticht in der Helligkeit deutlich heraus.

NGC 2301 zeigt schon bei 15fach die im Karkoschka erwähnte auffällige Nord-Süd gerichtete Sternkette, die allerdings in nördlicher Richtung in Y-Form erweitert erscheint. An der Abzweigung des Y scheint sich eine Verdichtung zu befinden. Dies zeigt sich bei 55fach noch deutlicher. Ich zähle 8 Sterne bei direktem Sehen, bei indirektem Sehen wird die Stelle heller und gleichzeitig flächig - als ob sich im Hintergrund noch viele weitere schwache Sterne befänden.

Mit NGC 2324 hatt ich noch jedesmal Probleme und natürlich heute genauso. Der Cluster ist einfach zu schwach im Sternumfeld, um deutlich herauszutreten.Außerdem beinhaltet er viele Steren die jenseits der 12mag sind. Mit 15fach hab ich ihn glatt übersehen, erst mit 55fach fand ich ihn. Die Sterne bilden dort ein X oder besser eine Figur, die an Stock 2 - das Muskelmännchen - im Miniaturformat erinnert (allerdings ohne Kopf :-). Der Sternhaufen steht direkt am Ende eines der "Äste" dieses X. In der Nähe befindet sich zudem ein nicht allzu schwacher Doppelstern mit zwei nur wenig unterschiedlich hellen Komponenten.

NGC 2264 gehört wie die drei vorangegangenen Objekte zu den Schätzen des Einhorns. Bekannt ist er unter dem Namen Weihnachtsbaum-Haufen. Ich hatte ihn schon oft vor der Linse, allerdings noch nie mit einem 2" Okular. Das große Gesichtsfeld narrte mich erstmal durch den Maßstab (ich hatte den Baum größer in Erinnerung...aber geht´s uns nicht allen so? Die Weihnachtsbäume unserer Kinderzeit waren doch größer...mindestens 4 Meter hoch oder so :-)

Schließlich hatt ich ihn im Okular. Bei 15fach ist er nett, bei 55fach großartig. Um den hellen Stamm-Stern herum glüht es richtig (ja, natürlich das sind die Päckchen Babsi...ich hab sie also auch gesehen %-).

M41 ist normalerweise wegen der Horizontnähe in der Stadt kein Paradeobjekt (aktive Rauchfänge!), heut war er jedoch dank der guten Transparenz ausgesprochen schön anzusehen - egal ob mit 15 oder 55fach. unzählige nadelfeine Sterne glitzern auf einer Fläche, die ungefähr der des Vollmondes entspricht.

M47 gehört ebenfalls zu den großen, hellen Sternhaufen. Hier ist die Nähe zu NGC 2324 interessant. Er ist nicht viel kleiner aber doppelt so weit weg und besteht aus vielen schwachen Sternen. In dem milchigen Horizonthimmel war er fast nicht erkennbar. Das 32mm Okular scheiterte hier. Erst mit dem 9mm Okular, das den Kontrast wegen der der höheren Vergrößerung deutlich verbessert ist der schwache Sternhaufen bei indirektem Sehen eindeutig gewesen. Der Eindruck ist mehr ein Hintergrundglühen als Einzelsterne. Hier ist es besonders wichtig das Teleskop sehr sehr langsam über die Stelle zu bewegen. Das Auge kann sonst kein Bild aufbauen.

M46 - auch ein schwieriges Objekt aus der Stadt. Mit 15facher Vergrößerung fährt man glatt drüber ohne ihn zu bemerken. Nur ein einziger Stern ist an der richtigen Stelle direkt sichtbar. Wieder muss das Teleskop ganz langsam mit 55fach über die Stelle geführt werden. Dann erscheint per indirektem Sehen erst ein starkes Glimmen über 1/3 der Fläche des Okulares. Schließlich beginnt man auch unzählige Einzelsterne wahrzunehmen. Erst jetzt ist zu erkennen welche Pracht dieser Sternhaufen unter einem dunklen Himmel sein könnte. Die Fläche ist nicht kleiner als die von M47, M46 ist rund dreieinhalb mal soweit von uns entfernt wie M47.

Nach dem Besuch des Stern-Kindergartens gibt es im Süden des Hasen auch ein "Altersheim" - den Kugelsternhaufen M79. Die Entfernungen der heute gesichteten OC in der Scheibenebene der Galaxis bewegen sich zwischen 1000 und 6000Lj. M79 dagegen ist 40.000Lj weit entfernt. Verlängert man die Strecke alpha-beta Lepus 1x nach Süden blinzelt dort im 32mm ein einzelner Stern am Weißhimmel. Von M79 keine Spur. Mit dem 9mm steigert sich wieder der Kontrast und östlich des Einzelsterns kommt nun ein windschiefes Viereck aus sehr schwachen Sternen zum Vorschein. In der Mitte des Vierecks ist M79. Einmal gefunden zeigt sich, dass der Kugelsternhaufen kein wirklich schwieriges Objekt ist, allerdings nur bei etwas höherer Vergrößerung.

Bim Zusammenpacken blinzelte Jupiter tief im Osten, aber die Sternstunde des Dicken schlägt erst im Frühjahr 2004. Conclusio: Das 102/500 ist ein sehr hübsches leichtes und handliches Deepsky-Instrument für nicht allzu schwache Objekte. Auch unter Stadthimmel macht es Spaß damit zu beobachten. Zudem wurden heut alle Objekte ohne Sucher problemlos gefunden. Mit dem 2 Zoll Zubehör ist das Gesichtsfeld so groß, dass der kleine Refraktor selbst zum Finderscope wird. Einfach über den Tubus drübergezielt und schon war die entsprechende Region eingestellt.

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