2003-Dez-01

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:30-00:00MEZ
Seeing nach Pickering: 4/10
Grenzgröße: 4mag
Beobachtungsgerät: 80/400 Leitrohr, 90/500 Mak+CCD Alpha Mini
Thema: Horsehead Nebula (Barnard 33) und IC434

Eigentlich wollte ich heut wieder ein wenig mit dem neuen 2 Zoll Okular und dem Richfield Refraktor spazierensehen. Die Transparenz war aber heut für Stadt Verhältnisse relativ gut, und einen viel besseren Himmel als ca. 4mag gibt´s hier sowieso nie. Also entscheid ich mich gegen das Spazierensehen am Sternenzelt und für´s Fotografieren. Den Horsehead Nebula hab ich die letzte Saison erfolglos mit 200mm und 1000mm Brennweite gejagt. In Summe entstanden etwa 150 Bilder. Weder durch Aufaddieren noch andere Ebv-Tricks konnte ich jedoch den Dunkelnebel im Orion sichtbar machen. Auch diesmal sah´s erst mal finster aus. Nach ein paar Minuten Justierarbeit hatte ich die Röhren zunächst im Gleichklang. Dann beginnt erst die lästige Fokussiererei. Auch das war aber nach 10 Minuten geschafft. Ok. Also die Sterne um das Pferdeköpfchen anvisiert (der Nebel selber ist visuell auch unter guten Bedingungen sehr schwierig). 60 Sekunden Belichtung - null nada, 120 Sekunden Belichtung - wieder nix. Für 180 Sekunden hatte ich keinen Darkframe. Also erstmal 180 Sekunden für den Darkframe...dann 180 Sekunden für die Aufnahme...wieder eine Nullrunde. Viel länger kann ich aber mit der CCD aus der Stadt nicht belichten, sonst ist das Bild durch die Lichtverschmutzung gesättigt.

Jetzt kommt die schwere Entscheidung. Kamera abmontieren und UHC Filter rein oder bleiben lassen...eigentlich mag ich nicht, aber so leicht aufgeben kann man schließlich auch nicht. Also Kamera runter, UHC Filter dran. Jetzt geht das Spielchen von vorn los. Heißt: Röhren parallel ausrichten. Die haben sich gottseidank nur minimal verschoben. Dann hab wieder ca. 10 Minuten für´s Fokussieren. Die Motivation begann langsam zu sinken und die Müdigkeit zu gewinnen...egal...drei Minuten sind jetzt auch noch drin. Also Kamera wieder auf den Horsehead eingestellt (auch das dauerte diesmal ziemlich lang, der Spielraum ist durch das kleine Gesichtsfeld nicht allzu groß und ich muss mich genau an die Umgebungssterne halten. 180 Sekunden Belichtung einstellen...und los!...warten...warten...in der Zwischenzeit guck ich mit dem 10x50 den Running Man Cluster und M35 - so entspannend kann Astronomie sein :-)

Und dann wird das Bild übertragen (dauert immer ein Weilchen - geht über den Druckerport) und da ist er - gaaaanz schwach und das genaue Gegenteil eines Meisterwerkes der Bildästhetik aber eindeutig am Monitor zu erkennen. Schließlich hab ich noch 3 mal 180 Sekunden geschossen und mich dann schleunigst ins Bett verfrachtet. Bei der letzten Aufnahme wär ich vor Müdigkeit nämlich schon fast vom Sessel gekippt :-)

Der Pferdekopfnebel im Sternbild Orion ragt aus einer grossen Dunkelwolke (die relativ scharfe Kante rechts) heraus. Er zeigt uns, wie eine dichte Wolke das Licht von Hintergrundgas und -Sternen abschattet. In solchen dunklen Wolken befinden sich Staubteilchen, die in der kalten Umgebung verkleben und anwachsen. Auf der Oberfläche der Staubteilchen bilden sich H2 Moleküle, wodurch die Verdichtung des Gases fortschreitet. Solche Wolken werden undurchsichtig und in den dunkelsten und kühlsten Gegenden entstehen Sterne. Im Pferdekopfnebel sind mit Radioteleskopen über 100 verschiedene Moleküle nachgewiesen worden.

Pferdekopfnebel selber trägt als Dunkelnebel die Bezeichnung Barnard 33. Der auf Farbaufnahmen rote Hintergrund des Pferdekopfes ist der Emissionsnebel IC434, der durch den Stern sigma Orionis angeregt wird. Der Nebel direkt darunter heißt NGC 2023 und noch etwas weiter südlich liegt IC435. Die gesamte Region gehört zu einer riesigen Wolke interstellaren Gases, zu der auch der große Orionnebel gehört.

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