2003-Okt-17

Ort: Sollenau
Zeit: 20:00-03:15MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: ca. 5mag
Beobachtungsgeräte: Liberty Kata Newton (114/1000), GiSmO Newton (150/750) und Chandra Dobson (200/800)
Thema: Starparty in Sollenau

Die zweite Sollenauer Starparty war unglaublicherweise schon wieder vom Wetter begünstigt. Trotz vorwinterlicher Kälte und herbstlicher Luftfeuchte kein Hochnebel über dem Steinfeld und auch fast kein Wind. So stand der Beobachtung zahlreicher Objekte nichts entgegen. Einen ausführlichen Bericht zur Starparty gibt´s wieder einmal mehr bei der Gastgeberin [Bericht]. Fotos dazu gibt´s auch wieder ein paar und zwar [hier]

Ich bringe zwar nicht mehr alle Objekte zusammen (und die Auflistung ist außerdem chronologisch falsch), aber aus meiner Sicht war zunächst ein recht schöner Ringnebel - neubenannt von der Astrostation STELLA mit umliegendem Asterismus in "Hoppelhäschen" - der beste Start in den Herbsthimmel. M13, den supergroßen Kugelsternhaufen hab ich bei einem Sternfreund in Pitten mit Chandra schon einmal bis weit ins Zentrum aufgelöst gesehen, heute war der Himmelshintergrund etwas heller und Herkules stand zudem schon relativ weit im Westen. Daher war nur ein Aufblitzen einzelner Sterne am Rand zu sehen, das Zentrum blieb diffus. Daneben wurden auch noch die KS M56, M92 und M15 anvisiert, von welchen ich M15 am Schönsten fand. Die umliegenden Sternchen, die die "Gitarre" bilden, konnte ich nicht wirklich erkennen.

M71 wie meistens kein Highlight war nur Jumpstation für M27, der im Teleskop sehr hell ist, allerdings mehr einem leicht taillierten Korken als einer Hantel glich. Im Schwan nahmen wir selbstverständlich den orangeblauen oppelstern Albireo aufs Korn und auch M29 ist ein schönes Beobachtungsobjekt, wenn auch auf den ersten Blick nicht leicht aus dem sternreichen Milchstraßenhintergrund zu trennen.

In der Milchstraße direkt über unseren Köpfen stand das schöne Sternbild der Cassiopeia mit besonders vielen offenen Sternhaufen. Besonders nett hab ich das Muskelmännchen (Stock 2) und den Eulenhaufen (NGC 457) in Erinnerung. Zu dem Zeitpunkt verwendete ich eigentlich für Chandra nur noch das 40mm Superplössl und das 9mm Weitwinkel Superplössl und besuchte dafür fleißig die beiden Nachbargeräte, um den Anblick der Objekte auch durch fremde Optiken zu genießen. Das Muskelmännchen war im großen Gesichtsfeld des 40mm am Besten. Nur der Fernglasanblick ist vielleicht noch eindrucksvoller. Der Eulenhaufen war auch schon bei 20fach hübsch, füllte aber erst im 9mm Okular das Gesichtsfeld richtig gut aus. Über 100 Sterne heller als 13mag bilden diesen Haufen, dessen Form leicht als Eule zu erkennen ist, die mit aufgeschlagenen Flügeln auf einem Ast sitzt. Guckt man diesen Sternhaufen, kann man am Rand den 5mag Stern Phi Cas erkennen. Phi Cas ist 9300 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat somit eine absolute Helligkeit von -8,8 mag. Er ist fast 300.000mal heller als die Sonne. Die Leute auf den Planeten dieser Sonne müssen irre viel Geld für Sonnencreme ausgeben %-).

Vielleicht der beeindruckendste Sternhaufen im Sternbild Cass ist NGC 7789. Ein diffuses und schwaches Leuchten zwischen zwei weiten Doppelsternen markiert den Ort des von Caroline Herschel am Ende des 17. Jahrhunderts entdeckten Sternhaufen. Hätt ihn die Caroline nicht gefunden, ich hätte ihn nicht entdeckt. Im 40mm Okular war der Haufen praktisch nicht vorhanden. Babsi bestätigte den Eindruck eines extrem schwachen aber ausgedehnten Glühens. Dabei geht der Haufen bei 90fach richtig auf. Ca. 1000 Sterne heller als 10,7mag verteilen sich auf die halbe Größe des Vollmondes. Damit ist NGC 7789 einer der größten bekannten Sternhaufen.

Auf meiner persönlichen "Unentdeckte-Messiers-Liste" konnte ich endlich wieder mal ein Objekt streichen: M110 Der helle Begleiter von M31. Die Andromeda-Galaxie zeigte wie üblich ihren hellen Kernbereich, leider war für Spiralarme der Himmel zu aufgehellt. Dafür konnten wir die Galaxie auch ohne optische Hilfsmittel eindeutig halluzinieren -o^o-

Nach einer (oder schon zwei?) Aufwärmpausen, verpflegt mit den genialen Muffins der STELLA, stellten wir uns dem Saturn, der sich mit zwei erkennbaren Monden präsentierte, dem beeindruckenden Orionnebel (Chreter´s Brick´chen mit UHC sichtbar!), dem schönen großen Sternhaufen M35 in den Zwillingen und schließlich gelang auch noch die Sichtung zweier Sternhaufen im Fuhrmann (M36, M38). Der Saturn zeigte die Cassiniteilung nur in den Ansen, ein äquatoriales Wolkenband war ganz eindeutig zu sehen. Ein Blick auf den Mond rundete den Beobachtungsabend ab. Erstaunlich was Liberty, der Kata Newton hier leistete. Die Bilddefinition in Schärfe und Kontrast war erstklassig. In der Wallebene Clavius waren problemlos 4 Kleinkrater der Kraterkette zu sehen.

Auf der Wunschliste standen noch M32, M33, Kemble´s Cascade, der Blaue Schneeball, Mirach´s Geist, der Granatstern im Kepheus und einiges mehr. Und damit hab ich auch schon die Favoriten für den nächsten Spechtelausflug.

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