2003-Jul-11

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 23:00-04:00MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: -
Beobachtungsgerät: Refraktor 120/1000, EQ-5. CCD Alpha Mini beides auf EQ-5
Thema: M11 (Wildenten Haufen)

Zwei Tage vor Vollmond ist der Himmel hellblaugrau und nur die allerhellsten Sterne sind sichtbar. Leider war auch das Seeing heute höchst problematisch und die gute Transparenz konnte aufgrund des hellen Mondes leider nicht genutzt werden. Trotzdem wollte ich endlich meinen Selbstbau-Motorfokus ausprobieren. Kurz und bündig: er hat sich ausgezeichnet bewährt, sehr feingängig und genau im Handling. Einzige Minuspunkte - der Okularauszug springt ein wenig beim in-out Wechsel und aus irgendeinem mir nicht bekannten Grund hat sich die Z-Diode für die Slow-Motion um 04:00Uhr früh verabschiedet (war am nächsten Tag in 5min ausgelötet und getauscht) . Der Mond bot sich natürlich trotz schlechtem Seeing für das Ausprobieren des Motor OAZ an.

Dann stellte ich Atair ein (viel was anderes war sowieso nicht zu sehen) und kurbelte die RA Achse eine Stunde westwärts. Nach der Deklinationseinstellung tauchten die beiden 8-9mag Sterne im Südwesten von M11 im Übersichtsokular auf und natürlich auch der 8mag Stern im Zentrum des Haufens. Im 9mm Weitwinkel war der Anblick am schönsten - allerdings stark getrübt durch den hellen Himmelshintergrund. Fürs Foto ließ ich die AM eine Serienaufnahe von 9x60 Sekunden anfertigen.

M 11 - einer der sternreichsten und kompaktesten der galaktischen Sternhaufen - wurde 1681 von dem deutschen Astronomen Gottfried Kirch von der Berliner Sternwarte entdeckt. Er enthält um die 2900 Sterne, von denen 500 heller als 14mag sind. Ein Beobachter im Zentrum von M 11 würde mehrere hundert Sterne 1. Größe sehen! Die Angaben für den scheinbaren Durchmesser schwanken zwischen 14 bis 35 Bodenminuten.

Das Alter dieses Sternhaufens wird auf etwa 220 Milionen Jahre geschätzt, da seine hellsten und heißesten Hauptreihensterne dem Spektraltyp B8 angehören (gemäß dem Sky Catalog 2000). Burnham gibt allerdings einen Wert von 500 Millionen Jahren an. Dieser höhere Wert wird durch die Tatsache, daß dieser Sternhaufen ebenfalls viele gelbe und rote Riesen mit einer absoluten Helligkeit um -1.0 entält, gestützt.

Roger N. Clark hat in seinem - leider seit mehreren Jahren vergriffenen - Buch "Visual Astronomy of the Deep Sky" eine Beschreibung und eine Zeichnung von M11 präsentiert. Clark weist dort auf einen herzförmigen dunklen Bereich in der westlichen Hälfte von M11 hin. Die Bezeichnung "Wild Duck Cluster" bezieht sich auf ein V-förmiges Muster von Sternen in M11, das an eine Gruppe fliegender Wildenten erinnert. Mit etwas Phantasie erkennt man am Nord- und am Westrand je eine Sternkette, die sich im Nordwesten treffen und ein weit geöffnetes "V", bilden. Außerdem bilden einige helle Sterne im Zentrum von M11 ein schmaleres, aber ebenfalls erkennbares "V". Clark´s Herz ist rechts oberhalb des hellen 8mag Sterns.

Fotolink M11

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