2003-Jun-21

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 23:30-01:30MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: -
Beobachtungsgerät: Refraktor 80/400, EQ-5
Thema: Vom Skorpion zum Schützen

DIe kürzeste Nacht des Jahres ist zwar meist nicht besonders geeignet für astronomische Aktivitäten, aber die Horizontdurchsicht war heute nach längerer Zeit dunstigen Wetters sehr schön. Noch knapp über dem Leithagebirge leuchteten 3,5m Sterne und einige Grad über dem Horizont waren 4m möglich.

Ich fing also mit horizontnahen und daher meist unsichtbaren Objekten an. M6 der Schmetterlingshaufen (OS) war visuell im kleinen Refraktor recht schön, etwas kleiner als vollmondgroß. Auffallend, dass M6 vor sehr sternarmem Hintergrund (Dunkelwolke) steht.

Fotolink M6

Der OS M7 befindet sich quasi in der Nachbarschaft, ist aber mit 900Lj nur halb soweit entfernt von uns wie M6. Mit -35° ist er das südlichste Messier Objekt. Bei kleinster Vergrößerung ist M7 recht schön gewesen - etwa 2 Dutzend recht helle Sterne in rundlicher, mehr als vollmondgroßer Anordnung.

Auch noch in der Nähe, aber schon in Ophiuchus steht der KS M19. Im 80/400 war die Randpartie graupelig, das Zentrum hell. M19 erscheint außerdem leicht asymmetrisch - kein Wunder denn er gehört zu den abgeplattesten Kugelsternhaufen überhaupt.

Ein erstes Highlight des Abends war schließlich M22. Der KS war in den Randpartien eindeutig aufgelöst, sehr hell und auch von außergewöhnlicher Größe nach dem kleinen M19. Auch M22 ist ein wenig oval. Unter südlichem Himmel ist M22 sicher ein Paradeobjekt - als Stadtastronomieobjekt immer noch eindrucksvoll.

Fotolink M22

M22 war wahrscheinlich der erste Kugelsternhaufen, der entdeckt worden ist (von A. Ihle im Jahr 1665). Laut Kenneth Glyn Jones nimmt man an, dass Hevelius ihn vielleicht schon früher gesehen hat. Der KS befand sich auch in Halley's Liste von sechs Objekten, die 1715 veröffentlicht worden ist, und war auch von De Cheseaux (seine No. 17) und Le Gentil sowie auch von Abbe Nicholas Louis de la Caille, der ihn in seinen Katalog der südlichen Objekte als Lacaille I.12 mitaufnahm, beobachtet worden. Messier behauptet, dass er sich ebenfalls in Bevis' English Atlas befindet.

Bei einer Entfernung von 10.000 Lichtjahren entspricht sein Winkeldurchmesser von 24 Bogenminuten einem realen Durchmesser von etwa 65 Lichtjahren. Er ist heller als der Kugelsternhaufen im Herkules, M13, jedoch stört die horizontnahe Lage. In der Helligkeit wird M22 lediglich von zwei südlichen Sternhaufen an Helligkeit übertroffen, die sich allerdings nicht im Messier Katalog befinden: Omega Centauri (NGC 5139) und 47 Tucanae (NGC 104) - das spiegelt auch die Rangfolge der vier hellsten KS am Himmel wieder.

M 22 gehört mit zu den näheren Kugelsternhaufen. Obwohl Shapley und Pease 70.000 Sterne in dieser großen Sternansammlung gezählt haben, ist der Zahl der aufgefundenen veänderlichen Sterne mit 32 verhältmismäßig gering; von diesen war die Hälfte bereits Bailey 1902 bekannt (unter diesen Sternen befindet sich auch ein Mira - Veränderlicher mit langer Periode, doch er gehört wahrscheinlich nicht zu dem Sternhaufen). Die hellsten Sterne sind 11 Größe. Im ganzen verteilen sich die Sterne auf eine Region mit 200 Lichtjahren Durchmesser; der Sternhaufen entfernt sich von uns mit einer Geschwindigkeit von 144 km/s.

Mittlerweile ist es 00:40 Uhr geworden und ich bewege mich weiter zum Lagunennebel. Ein großartiges Sternfeld bietet sich hier. Viele Sterne erreichen 7 oder 8 mag und sind damit auch in meinem kleinen 3 Zöller sehr hell. Der Nebel war problemlos zu erkennen, schön um den Sternhaufen NGC6530 gruppiert, so richtig prächtig wird er aber erst mit UHC Filter. Jetzt ist auch seine enorme Ausdehnung in etwa zu erahnen. Für mich eines der schönsten Objekte im Schützen.

Fotolink M8

Schwieriger ist der Trifid-Nebel, allerdings nicht der Nebel selbst, sondern die Dunkelbänder. Ich konnte sie visuell leider nicht erkennen während sie die Aufnahme problemlos zeigt. Der Trifidnebel vereint die Charakteristika eines Emissionsnebels und die eines Reflexionsnebels. Angeregter Wasserstoff in der Zentralregion emittiert Photonen in der Balmer-Wellenlänge und leuchtet daher auf Farbaufnahmen in einem pinkfarbenen Licht. Die äussere Region enthält viel Staub und reflektiert das Licht der heissen blauen Sterne und bildet den blauen Teil des Trifidnebels. Der helle Stern HD 164514 links unterhalb ist auch von einem Reflexionsnebel umgeben. Der Stern ist nicht heiss genug um das umliegende Gas zum Leuchten anzuregen und so wird alles Licht vom kalten Gas und Staub reflektiert oder gestreut.

Fotolink Trifidnebel M20

Ein weiteres Highlight im Schptzen ist der Schwanennebel oder Omeganebel wie ihn Herschel nannte. Die Form des Schwans war im 3 Zöller erstaunlich einfach wahrzunehmen, zunächst fällt aber der etwas hellere Körper ins Auge. Der Schwanennebel befindet sich in der Nähe der dichtesten Milchstraßenwolken in rund 5500Lj Entfernung. In seinen dichten Nebeln herrschen die besten Bedingungen für die Geburt neuer Sterngenerationen. Sie sind auch für die dramatische Formgebung verantwortlich. Heiße junge Sterne haben mit ihrem starken Sternenwind die gut sichtbaren, wellenähnlichen Strukturen geschaffen. Ultraviolette Strahlung höhlt die ursprünglich kalte Wasserstoffwolken aus und erhitzt sie. Hitze und Druck lassen die Materie fließen und so entstehen die Effekte von Licht und Schatten.

Fotolink M17

Der Emissionsnebel M16 (Adlernebel) sollte den Helligkeitsangaben im Karkoschka gemäß eigentlich nicht schwieriger sein als M17, jedoch hatte ich erheblich mehr probleme ihn sicher zu erkennen. Möglicherweise machte sich die fortschreitende Müdigkeit auch schon bemerkbar. Gesehen hab ich ihn schließlich doch noch, aber halten konnte ich ihn nur kurzzeitig.

Der eigentliche Nebel bildet eine Art schüsselförmiger Blase an der Seite einer dichten Wolke aus interstellarem Gas. Der größte Teil dieser Wolke ist so dicht und kühl, dass seine Wasserstoffatome sich zu Molekülen zusammenlagern können und so das Rohmaterial für den Bau neuer Sterne bilden. Die Wolke enthält außerdem winzige Kohlenstoffpartikel, Silikate und andere Substanzen, die das sichtbare Licht absorbieren und dadurch dem Blick auf die Vorgänge im Inneren der Wolke verschleiern.

Am Rand des schüsselförmigen Adlernebels drängen sich rund 100 neugeborene Sterne, die hellsten von ihnen leuchten bis zu 100 000 mal heller als unsere Sonne und auf ihrer Oberfläche herrschen Temperaturen von bis zu 50000 Grad Kelvin. Diese jungen Sterne senden intensive ultraviolette Strahlung aus, die das umgebende Gas aufheizt und zum Leuchten bringt. Den Namen „Adlernebel“ erhielt M 16 wegen seiner symmetrischen Form, die entfernt an einen sitzenden Greifvogel mit ausgestreckten Flügeln erinnert. Die „Krallen“ des Adlers, eine Reihe von dichten Gassäulen, die ins Innere des Nebels ragen, spielen eine entscheidende Rolle bei der „Sternengeburt“. Das Gas in ihrem Inneren erreicht zum Teil eine so hohe Dichte, daß es zu kollabieren beginnt und in kleinere Klumpen zerfällt. Im Laufe der Zeit nehmen die Klumpen durch immer mehr kollabierendes Gas an Masse zu, bis sie durch ihr eigenes Gewicht so komprimiert sind, daß im Kern Fusionsprozesse einsetzen - ein Stern wird geboren.

Dieser Prozeß kann jedoch auch „auf halben Wege“ steckenbleiben. Wenn ein junger Stern durch Photoevaporation seiner umgebenden Gaswolke beraubt wird, bevor er sein Wachstum abgeschlossen hat, „friert“ er ein. Er kann nicht weiter an Masse zunehmen, da das Rohmaterial für sein Wachstum fehlt. Das Hubble-Weltraumteleskop hat im Adlernebel rund 50 Sterne entdeckt, die auf diese Weise in halbfertigem Zustand verharren. Sie werden als EGGs bezeichnet, die Kurzform für „evaporating gaseous globules“.

Fotolink M16, M17, M24

Zum Schluß hab ich mir noch die große Sagittarius-Wolke M24 aufgehoben. Sie ist bei niedrigster Vergrößerung am eindrucksvollsten und sprengt das Gesichtsfeld einer einfachen CCD-Kamera völlig. Ich habe sie aus einer früheren Beobachtung am besten mit dem 11x80 Feldstecher in Erinnerung.

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