2003-Mai-23

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:30-01:30MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: 4,33mag (Nu Ser)
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini CCD im Fokus
Thema: Barnard´s Pfeilstern

Der Skorpion kommt allmählich Richtung Meridian und damit steigt nicht nur seine Position über dem Südhorizont, sondern auch die Chance einige der schönen Objekte dieses Sternbildes halbwegs gut vor Linse und Kamera zu bekommen.

M4 zeigte sich auch heute wieder nur trüb, obwohl die Himmelstransparenz recht gut war. Ein Foto versuchte ich deshalb gar nicht, denn es war nicht mehr zu erwarten als am 3. Mai. M80 hatte ich noch nicht vor der Linse und so wurde der KS als nächstes Objekt ausgewählt.

Seit kurzem besitze ich das TS SW 9mm mit 66° Gesichtsfeld und es zeigte sich heute im ersten Einsatz, dass das Okular für wenig Geld viel Leitsung bringt. Einzig das Einblickverhalten ist gewöhnungsbedürftig, aber für Brillenträger eigentlich wunderbar (mit ein bisschen Übung :-). Jedenfalls präsentierte sich M80 als sehr heller Vertreter seiner Gattung, relativ klein mit deutlichem Zentrum. Gegen den Rand zu deutete die gemottelte Struktur schon auf Einzelsterne. Im Vergleich mit dem "normalen" Super-Plössl war nicht nur der Unterschied im Gesichtsfeld augenfällig, auch der Kontrast war deutlich besser. Zudem steht der KS in einem recht hübschen Sternfeld, das natürlich erst bei größerem Gesichtsfeld erkennbar wird. M 80 besitzt etwa 8. Größe. Sein Winkeldurchmesser von 9 Bogenminuten entspricht in etwa einer Ausdehnung von 95 Lichtjahren bei einer Entfernung von 36,000 Lichtjahren. Am 21. Mai 1860 leuchtete eine Nova in M 80 auf. Sie erreichte eine Helligkeit von 7.0 Magnituden am 21. und 22. Mai; danach schwächte sie sich bis zum 16 Juni auf 10.5 Magnituden ab.

Nahe Beta und Gamma Ophiuchus findet man schon im Feldstecher einen Stern 9ter Größe, der eigentlich nichts besonderes bei der einmaligen Betrachtung aufweist. Zu etwas einzigartigem macht ihn aber seine Eigenbewegung vor dem Hintergrund weit entfernter Sterne - Barnards Pfeilstern ist der Stern mit der größten bekannten Eigenbewegung am Himmel. Er ist nur 5 Lichtjahre von uns entfernt und legt pro Jahr eine Strecke von 10,27 Bogensekunden zurück. Seit der Entdeckung im Jahr 1894 hat er sich daher bereits um eine halbe Mondbreite weiterbewegt.

Edward Emerson Barnard entdeckte im Jahre 1916, dass sich die Position dieses Sterns sehr schnell verändert. Mit ca. 1° in 350 Jahren bewegt er sich über den Sternenhimmel, diese Geschwindigkeit ist eine projizierte Größe und daher variabel. Da der Punkt der geringsten Annäherung Sonnensystem-Pfeilstern noch nicht erreicht ist, nimmt diese Eigenbewegung weiter zu. Der schnelle Lauf des Pfeilsterns liegt einerseits an seiner tatsächlichen Geschwindigkeit von ungefähr 166 Kilometern pro Sekunde, und andererseits an seiner Nähe von 5,9 Lichtjahren. Er ist mit dieser Entfernung der viertnächste Stern zur Sonne. Barnards Stern bewegt sich schräg auf uns zu und wird unser Sonnensystem in ca. 10000 Jahren in einem Abstand von 4 Lichtjahren passieren. Zudem gehört der Pfeilstern mit einer absoluten Helligkeit von 13,25m zu den leuchtschwächsten bekannten Sternen. Seine Leuchtkraft beträgt nur etwa ein Hundertstel der Sonnen-Leuchtkraft..

Fotolink Pfeilstern

Einer der absolut schönsten offenen Sternhaufen ist NGC 6633, gelegen in der nordöstlichen Ecke von Oph an der Grenze zu Serpens und unter bestem Himmel ein Frei-Aug-Objekt. Der Sternhaufen zeigt vor einer großen Zahl schwächerer Sterne ungefähr 12 Sterne mit 8mag in ovaler Ausrichtung. Im Nordwesten ist ein dunkles Gebiet. Das 40mm SP vergrößert schon ein wenig zu hoch. Im Karkoschka ist die Größe mit 20 Bogenminuten angegeben - im Teleskop scheint aber ein größeres Gebiet von ca. 45 Bogenminuten zusammenzugehören. Entfernung 1000LJ.

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