2003-Mai-03

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 23:00-00:30MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: 4,0mag, für hiesige Verhältnisse sehr gute Transparenz bis zum Horizont
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, CCD Alpha Mini
Thema: M83, M5, M4

M83 gehört von unseren Breiten aus zu den schwierigeren Messier Objekten, da die Galaxie nur wenige Grade über den Horizont kommt. Eine Sichtungsmöglichkeit beschränkt sich auf wenige Nächte pro Jahr. Bis dato ist sie mir aus diesen Gründen durch die Lappen gegangen. Doch heute war eine jener raren Nächte, in denen M83 aus der Stadt heraus machbar sein sollte. Die Transparenz war hervorragend und viele Sterne des Kentauren waren bis knapp über dem Leithagebirge sichtbar. M83 stellte ich mit den Teilkreisen von Spica aus ein und mit dem 40mm Plössl waren alle Umgebungssterne, die in der Aufsuchkarte im Karkoschka verzeichnet sind gut zu sehen. Die Galaxie zeigte sich erst im 17er Plössl und nicht besser im 9mm SP. Der visuelle Anblick bot einen sehr hellen Kern und einen großen, runden scheinbar etwas asymmetrischen und sehr schwachen Halo. Nach den vielen winzigen Virgo-Galaxien ist die Größe besonders auffällig.

M83 wurde von G. de Vaucouleurs als ein Galaxientyp eingestuft, der zwischen einer normalen und einer Balkenspiralgalaxie liegt, namentlich SAB(s)c. Gute Fotografien zeigen ein sehr dynamisches Erscheinungsbild mit roten und blauen Knoten, die die Spiralarme durchziehen. Die roten Knoten sind Gasnebel, in denen sich neue Sterne bilden. Die blauen Regionen repräsentieren junge Sternpopulationen, die sich erst vor einigen Millionen Jahren gebildet haben. Staubgassen können bis in die zentralen Regionen des Kernes, der nur 20" im Durchmesser beträgt, zurückverfolgt werden. Diese Galaxie wird manchmal auch die "Südliche Pinwheel" genannt. Sie bildet mit der pekulären Galaxie Centaurus A (NGC 5128) und der ungewöhnlichen Galaxie NGC 5253 im Kentauren eine kleine zusammenhängende Gruppe. 5-6 Supernovae sind in M83 bis jetzt berichtet worden, mehr als in jeder anderen Messier Galaxie.

M 5 war heute das Objekt zum Entspannen, denn der Kugelsternhaufen im Kopf der Schlange war schon im 40mm Übersichtsokular sehr leicht zu erkennen. Er ist beträchtlich hell und zeigt im 9mm Okular seine Randzone schön aufgelöst. Bei dieser Vergrößerung kann man auch schon die leicht elliptische Gestalt erkennen.

Man vermutet, dass es sich bei M 5 um einen der ältesten Kugelsternhaufen handelt (Berechnungen ergaben etwa 13 Milliarden Jahre). Mit einem Durchmesser von etwa 130 Lichtjahren ist er außerdem einer der größten Kugelsternhaufen unserer Galaxis. Bei einer Entfernung von 23.000 Lichtjahren nimmt er 17 Bogenminuten am Himmel ein.

M 4 war das erste Objekt, das ich mit der Alpha Mini vor einem knappen Jahr fotografierte. Damals noch ohne Nachführung mit dem 135mm Objektiv. Seither hab ich einiges dazugelernt (vor allem wie man Fehler macht - nächstes Jahr arbeite ich dann an der Vermeidung :-), aber M4 bleibt ein Abenteuer. Das fing heut wieder mal mit der Sichtung an - und eigentlich steht der KS gegen Mitternacht noch viel zu tief über dem Horizont. Das 40mm Okular zeigte ihn sehr schwach - komischerweise verschwand er aber mit dem 9mm Okular. Ich hing ca. 10 Minuten am Oku - dann konnte ich ihn per indirektem Sehen wieder ausmachen. Von Auflösung keine Spur. Nur eine ganz schwache Aufhellung im Oku zeigt den KS an. Dabei ist M 4 ein äußerst aufgelockerter KS und mit "nur" 7000 Lichtjahren Entfernung außerdem der nächstgelegene. Es stört allerdings nicht nur die Horizontnähe, auch dichte Wolken interstellaren Materials umgeben M 4 und verdecken ihn.

M 4 wurde 1745/46 von de Cheseaux endeckt, der ihn als Nr.19 auflistete; er ist ebenfalls in Lacaille's Katalog als Lacaille I.9 verzeichnet. Im Jahre 1987 entdeckte man in diesem Kugelsternhaufen den ersten Millisekunden Pulsar. Bei diesem Pulsar (1821-24) handelt es sich um einen Neutronenstern, der sich alle 3.0 Millisekunden einmal um die eigene Achse dreht (bzw. 300 Mal in einer Sekunde). Dies ist 10mal schneller als die Umdrehungsgeschwindigkeit des Krebs-Pulsars in M 1. Ein zweiter Millisekundenpulsar wurde etwas später im gleichen Jahr in M 28 gefunden. Eine schöne Aufnahme von Doris Unbehaun und weitere Informationen findet man [hier]

Winkeldurchmesser: mehr als 26 Bogenminuten, lineare Ausdehnung etwa 55 Lichtjahren. M 4 entfernt sich von uns mit einer Geschwindigkeit von 65 km/sec und enthält mindestens 43 bekannte veränderliche Sterne.

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