2004-Apr-22

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:00-23:00MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: 2,5mag
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5
Thema: Sonne

Das Einscheinern hat endlich Erfolge gezeigt, in RA steht ein Leitstern nun schön (bei 5min hab ich abgebrochen) auf dem Faden des FK-Okulars. Polhöhe mach ich ein andermal. Der Himmel war heut extrem schlecht - dunstig und dazu zogen Wolken durch. Ich beschloss daher heute auf den Spuren von Wilhelm Olbers zu wandeln und den Planetoiden Vesta aufzusuchen. Die Koordinaten holte ich mir vorher aus Carte du Ciel und danach war´s ein Kinderspiel den Planetoiden von Denebola aus mit den Teilkreisen anzupeilen. Er steht momentan nur 30min in Rektaszension östlich von Denebola im Sternbild Virgo. Außerdem ist er grade sehr hell mit 6,2mag. Kein anderes Objekt in der Nähe erreicht diese Helligkeit - vor 196 Jahren bei seiner Entdeckung am 29. März 1807 (näheres weiter unten) stand Vesta nur wenige Grade von der Stelle entfernt, an der sie sich heute befindet.

Am 1./2. April 1807 verkündete Wilhelm Olbers von der Lilienthaler Sternwarte (Berlin) die Entdeckung eines Planetoiden: "Theilen Sie meine Freude mit mir! Ich habe wieder einen neuen Planeten, nicht zufällig entdeckt, sondern gewissermaassen aufgefunden. Seit 3 oder 4 Jahren nämlich durchsuche ich regelmässig einmal in jedem Monat entweder den nördlichen Flügel der Jungfrau oder den westlichen Theil des Gestirns des Wallfisches, je nachdem eines dieser Gestirne über dem Horizont ist. Als ich am 29. März eine solche Durchmusterung des nördl. Flügels der Jungfrau anfing, fiel mir sogleich ein ziemlich heller, unbekannter Stern zwischen der 5. und 6. Grösse auf, der westwärts von No.20 Virginis, und wieder höchst sonderbarer Weise nicht so gar weit von der Stelle entfernt stand, an der ich die Ceres wiedergefunden und die Pallas entdeckt hatte."

Olbers überläßt es diesmal Gauß, einen Namen für den neuen Planetoiden zu wählen, und dieser schreibt am 14. April 1807: "Sie legen mir die Ehre, bei Ihrem Planeten Pathenstelle zu vertreten, so dringend an's Herz, dass ich mich derselben nicht entziehen soll, so wenig ich auch Anspruch darauf habe. Es sei also darum. Ich weiss dem Planeten keinen schöneren Namen zu geben, als den der Göttin, die die Völker der alten Zeit zur Schutzgöttin der reinen Sitten der makellosen Tugend und des häuslichen Glücks machten. Finden Sie also meine Wahl nicht unschicklich, so heisse Ihr Töchterlein Vesta!"

Vesta ist aufgrund ihres hohen Albedos der am einfachsten von der Erde aus zu sehende Asteroid, obwohl sie mit rund 500 Kilometern Durchmesser nicht der größte Körper des Asteroidengürtels ist. Drei Viertel der von der Erde aus sichtbaren Asteroiden, darunter Ceres, gehören zum sogenannten C-Typ. Dieser ist mit einer Klasse von Steinmeteoriten verwandt, den kohlenstoffhaltigen Chondriten. Man hält sie für die älteste Materie im Sonnensystem; ihre Zusammensetzung ähnelt derjenigen einfacher solarer Nebel. Diese Asteroiden sind sehr dunkel, vermutlich wegen ihres Gehalts an Kohlenwasserstoffen. Anders als Mond und Erde sind sie nach ihrer Entstehung weder geschmolzen noch erwärmt worden.

Rund 15 Prozent aller Asteroiden gehören zum S-Typ, der mit den Stein-Eisen-Meteoriten verwandt ist. Viel seltener kommt der M-Typ vor, der in seiner Zusammensetzung den Eisenmeteoriten entspricht. Diese Asteroiden bestehen aus einer Eisen-Nickel-Legierung. Sie könnten den Kernen ehemaliger, geschmolzener Planeten entstammen, deren Bestandteile sich entmischten und deren äußere Hüllen durch Zusammenstöße mit anderen Objekten abgesprengt wurden.

Einige sehr wenige Asteroiden, vor allem Vesta, sind vermutlich mit der seltensten Klasse von Meteoriten verwandt, den Achondriten. Ihre Oberfläche hat eine vulkanische Zusammensetzung, ähnlich den Laven der Erde und des Mondes. Ende August 1997 untersuchten amerikanische Astronomen Aufnahmen des Asteroiden Vesta, die mit Hilfe des Hubble-Weltraumteleskops gemacht wurden. Anhand der Bilder stellten die Wissenschaftler fest, dass Vesta aus nahezu einem einzigen Krater besteht.

Diese Seite ist Teil eines [Framesets]