2004-Apr-11

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 21:30-24:00MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: 3.5mag
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini
Thema: NGC 4526, M 87

Eigentlich war heute nicht die richtige Witterung für einen Streifzug durch die Virgo-Galaxien. Es war dunstig und auch hochgelegene Wolken zogen durch, außerdem ist der Mond schon ganz schön hell. Ursprünglich wollte ich daher nur die Aufstellungsgenauigkeit meiner Montierung erhöhen. Nach einer Stunde am Fadenkreuz hängen und auskorrigieren hatte ich schließlich genug. Ich bin allerdings noch nicht zufrieden weil bei 8-10 Minuten Belichtung (für Bildaddition) die Sterne doch noch deutlich driften.

Die ca. 10,5mag helle S0 Galaxie NGC 4526 hab ich bislang noch nicht versucht, obwohl sie die hellste NGC Galaxie im Virgo Haufen ist. Bei den heutigen Bedingungen hatte ich trotzdem nicht die Hoffnung die Galaxie zu sichten. Eingestellt war sie schnell (ich benutze zum Suchen nur mehr die Teilkreise) und präsentierte sich hübsch eingerahmt von zwei helleren Sternen.

Bei 25fach zeigte sich nichts vom Sternsystem und der Himmel war unangenehm milchig hell. Ich setzte daher gleich das 9mm Plössl ein und da zeigte sich die Galaxie nach etwa 10 Minuten draufhalten als etwas unrunde Aufhellung des hellen Hintergrundes.

NGC 4526 ist eine dem Virgohaufen angehörende asymmetrische Galaxie, deren Kern nicht zentral liegt. Sie ist - wie der gesamte Virgo-Haufen - etwa 60M Lj entfernt und besitzt eine scheinbare Ausdehnung von etwa 4 Bogenminuten. Auch auf Aufnahmen größerer Instrumente ist kaum Struktur auszumachen.

R.R.Treffers, A.V.Filippenko, S.D. van Dyk, (University of California at Berkeley) und M.W. Richmond (Princeton University) vermeldeten 1994 die Entdeckung einer Supernova in NGC 4526 in einer Entfernung von 9" West and 7" Nord vom Kern der Galaxie entfernt (1994D). Das Objekt wurde während eines Suchprogrammes mit einem für diese Zwecke automatisch arbeitenden 0,76m Teleskop gefunden (am Leuschner Observatory, dem Uniobservatorium der Berkeley University) und entpuppte sich nach spektrometrischen Messungen als Supernova vom Typ Ia. Die Expansionsgeschwindigkeit der Materieschalen wurde mit 15000 km/s angegeben. Die maximale Helligkeit lag bei 11-12mag.

M87 fehlte auch noch auf meiner Wunschliste und so war sie das nächste angepeilte Objekt. Für M87 gibt Karkoschka 9mag Helligkeit und 4 Bogenminuten Größe an. Sie sollte damit einfacher zu sehen sein als NGC 4526, tatsächlich war sie auch erst bei 111facher Vergrößerung und dann nur in wenigen Augenblicken eindeutig auszumachen. Auch M87 bot kein anderes Bild als eine sehr sanfte, rundliche Aufhellung des Hintergrundes. Zum genauen Einstellen half der knapp nördlich stehende 8,6mag Stern.

Die elliptischen Riesengalaxie M 87, auch Virgo A genannt, gehört zu den bemerkenswertesten Objekten am Himmel. Sie ist außerdem die dominierende Galaxie im Virgo Haufen. Ihr Durchmesser beträgt 120,000 Lichtjahre - das liegt deutlich über dem Durchmesser unserer eigenen Galaxis. Allerdings handelt es sich bei M87 um eine elliptische Galaxie vom Typ E1 (andere Quellen geben E0 an). Sie füllt damit ein wesentlich größeres Volumen und enthält daher auch erheblich mehr Sterne (und damit Masse) als die Milchstraße; mit Sicherheit einige Trillionen Sonnenmassen. Ebenso besitzt sie eine extrem hohe Leuchtkraft mit einer absoluten Helligkeit von -22mag.

M 87 ist für zwei eigentümliche und vielleicht einzigartige Eigenschaften berühmt: auf lang belichteten Aufnahmen (wie unserem Bild) fand man ein gewaltiges System von Kugelsternhaufen (mehr als 4000!) und einen spektakulären Jet, den man am besten auf kurz belichteten Aufnahmen sehen kann.

Der Jet wurde 1918 von H.D. Curtis am Lick Observatory entdeckt und erstreckt sich tausende Lichtjahre weit in den Raum. Er besteht aus gasförmigen Material, das aus dem Kern der Galaxie ausgestoßen wird. Sein Licht weist eine starke Polarisation auf, wie sie für Synchrotronstrahlung typisch ist und er zeigt heftige Turbulenzen

M87 wurde 1954 von W. Baade und R. Minkowski als die starke Radioquelle Virgo A identifiziert. Zwei Jahre später, wurde von J.E. Baldwin und F.G. Smith (beide Cambridge) ein schwächerer Radiohalo gefunden. Dieser erwies sich auch als eine starke Quelle von Röntgenstrahlung; er befindet sich in der Nähe des Zentrums einer Wolke, die harte Röntgenstahlung emittiert und sich weit über den Virgo Haufen erstreckt.

Es liegt auf der Hand, dass ein derart interessantes Objekt wie M87 intensiv mithilfe des Hubble Space Telescope untersucht wird. In den Hubble Bildern konnte der hochaktive Kern dieser Galaxie näher in Augenschein genommen werden und sie enthüllten ein massives dunkles Objekt von etwa 2 bis 3 Milliarden Sonnenmassen, das sich im Innersten innerhalb eines Radius' von nur 60Lj konzentriert. Dieses dunkle Objekt ist von einer rasch rotierenden Akkretionsscheibe aus Gas umgeben.

Die einzige Supernova, die in M87 beobachtet worden ist, erschien im Februar 1919, wurde aber erst 1922 von I. Balanowski, der ihre maximale Helligkeit auf 11.5 mag schätzte, auf den Photoplatten entdeckt. Berücksichtigt man die Entfernung von M87, dann entspricht dies einer absoluten Helligkeit von annähernd -20 Magnituden.

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