2003-Mar-31

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:00-24:00MESZ
Seeing: -
Grenzgröße: 4.0mag
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini
Thema: M 68, M 49, M61

Nach kurzer Durchsicht meines Messier-Logbuches, fand ich vier unbeobachtete Objekte, die momentan im möglichen Sichtbereich - Virgo und Hydra - liegen. Drei davon konnte ich heute dingfest machen.

M68 hab ich bereits zweimal versucht in den letzten Wochen und nie ist mir eine Sichtung gelungen. Die Stelle in der Nähe von beta Crv ist nicht allzu schwer zu finden, doch zeigte auch heute das 40mm SP keinen Kugelsternhaufen. Erst im 17mm Plössl konnte ich die drei schwachen Sterne, die knapp südlich des KS liegen sehen. Jetzt ließ sich auch der KS erstmals erahnen. Im 9mm Okular war er dann gut zu halten, jedoch völlig unspektakulär. Der KS erschien relativ groß - etwa 1/4 des Gesichtsfeldes einnehmend - ohne Einzelsterne und Struktur, lediglich als schwache Aufhellung des milchigen Himmels. Die horizontnahe Lage macht das Objekt aus der Stadt schwierig. Dabei wäre der KS mit einer Helligkeit von ca. 8.4mag relativ hell. Er liegt in einer Entfernung von 33000 bis 40000 Lichtjahren; seine Sterne vertreuen sich über einen Durchmesser von etwa 140 Lichtjahren. Es sind bisher etwa 40 veränderliche Sterne bekannt. M68 nähert sich uns mit einer Geschwindigkeit von 112 km/sec.

Das nächste Objekt auf der heutigen Wunschliste war M49. Die Galaxie entging mir bisher deshalb, weil sie per Starhopping etwas schwierig zu erreichen ist. Da ist kein hellerer Stern in der Nähe, der aus dem Stadtgebiet heraus auffällig wäre. Da ich jetzt aber Teilkreis-Einstellen bevorzuge (und endlich auch kann :-), war´s kein Problem den Platz der Galaxie zu finden. Die Galaxie liegt in Rek nur 10 Minuten westlich von M68 und mit einer Deklination von +8 Grad angenehm hoch. Nach dem milchigen Himmel um M 68 erschien mir der Hintergrund um M 49 richtig schön schwarz (ist natürlich Blödsinn - in der Stadt ist der Himmel immer hellgrau) und M 49 selber ist eine außergewöhnlich helle Galaxie. Schon im 40mm Okular war sie leicht zu erkennen, sehr hell und eindeutig etwas oval auch im 17mm Plössl, Struktur hat sie keine.

Die elliptische Galaxie M 49 war das erste Mitglied des Virgo Haufens von Galaxien, das von Messier 1771 entdeckt wurde. Sie ist mit 8.5mag und einer absoluten Helligkeit von -22.8mag, wenn man eine Entfernung von 60 Mio Lj annimmt, auch eine der hellsten. M 49 ist eine der elliptischen Riesengalaxien in diesem großen Haufen (neben M60 und MM87) und gehört zum Typ E4. Ihre Ausdehnung von 9x7.5 Bogenminuten entspricht einem Ellipsioden mit einer projezierten großen Halbachse von nahezu 160000 Lj (die wahre Ausdehnung entlang der Sichtlinie kennen wir natürlich nicht, da wir die räumliche Lage der wirklichen Ellipsenachsen nicht kennen), so dass es sich wirklich um einen großen Ellipsoiden handelt. Ältere Schätzungen nahmen an, dass die Masse etwas höher als bei der benachbarten Riesengalaxie M87 läge, doch heute geht man von der Annahme aus, dass M87 viel dichter ist. Mit ihrer intergrierten Spektralklasse G7 und dem Farbindex +0.76 ist sie gelber als die meisten Galaxien im Virgo Haufen. Lang belichtete Aufnahmen zeigen ein System von Kugelsternhaufen, das bedeutend weniger Mitglieder enthält als jene von M87 oder M60.

Danach suchte ich M61. Bisher ging das Suchen und Finden heut recht zügig, doch M61 machte Probleme. Die Teilkreise behaupteten zwar, dass die Stelle stimmt, doch konnte ich nicht viel Übereinstimmung mit dem Karkoschka finden und auch keine Galaxie sehen...zu viele schwache Sterne standen in der Gegend. Erst als ich mehrfach Okulare wechselte (alles mögliche zwischen 10 und 40mm) fand ich 20 Minuten später die Entsprechungen zwischen Karte und Gelände :). Und wie schon einmal wieder die Überraschung - ich war am Anfang der Suche an der richtigen Stelle gewesen. Die Galaxie ist eine echte Funzel. Ich brauchte nochmal etwa 20 Minuten, um sicher zu sein, dass sie im Okular ist und auch dann war sie nur zeitweise (und nur im 17mm Okular indirekt) zu halten.

M61 wurde am 5. Mai 1779 von Oriani entdeckt, als er den Kometen jenes Jahres verfolgte. Sechs Tage später entdeckte ihn auch Charles Messier, der diese Galaxie zwar am gleichen Tag wir Oriani sah, sie aber für den Kometen hielt.

M 61 ist eine face-on Galaxie mit schmalem Balken und gehört zu den größeren Galaxien des Virgo Haufens. Der Winkeldurchmesser von 6 Bogenminuten entspricht in etwa 100000 Lichtjahren (das ist mit dem Durchmesser unserer Galaxie vergleichbar). Am Himmel erscheint die Galaxie als Objekt von 10mag, was einer absoluten Helligkeit von -21.2 entspricht. Es wurden bisher drei Supernovae beobachtet: 1926A (12.8mag), 1961I (13mag) und 1964F (mag12). M 61 besitzt einen aktiven Kern und dürfte daher zur Klasse der Seyfert Galaxien gehören (wie M77). Filippenko & Sargent zeigten 1985, dass das Spektrum des Kerns demjenigen einer H II Region entspricht. Dazu hat jede Linie eine breite Basis, was auf die Presänz eines Seyfert 2 Nukleus hindeutet. Spätere, hochgenaue Untersuchungen zeigten, dass die H II Region einen Ring um den Galaxienkern bildet. Ein ziemlich ungewöhnlicher Effekt ist in den Spiralarmen der Galaxie zu sehen. Diese zeigen einige plötzliche Richtungsänderungen und seltsame Winkel, sodass die Struktur der Galaxie eher polygonal als rund wirkt. Ein Arm am Nordrand des Systems weist eine sehr helle und äußerst dichte Sternwolke auf.

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