2003-Mar-24

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:00-24:00MEZ
Seeing: schlecht, zudem windig
Grenzgröße: 4.4-4.6mag
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini
Thema: M 100, M 104

Die vierte klare Nacht in Folge! Und ein neuerlicher Versuch eine Virgo-Galaxie in besserer Qualität zu fotografieren. Aufgrund der schönen Face-on Lage suchte ich mir M 100 als Motiv aus und startete die Suche (gesucht wird nur mehr per Koordinaten. Hat man sich einmal daran gewöhnt, ist es einfach, sicher und schnell).

M 100 gehört eigentlich zu den hellsten Mitgliedern des Virgo Haufens. Sie befindet sich in Coma Berenice und ich konnte sie im Mai 2000 mit dem 8 Zoll Dobson bei einem 4mag Stadthimmel schon als flächiges Objekt ohne Struktur erkennen. Heute war die Galaxie leider eine Nullnummer. Nur der Kern blinkte sekundenbruchteile lang hin und wieder kurz auf. Dabei waren die Bedingungen von der Grenzgröße her sehr gut, seeingmäßig jedoch problematisch.

Auf guten Fotos erscheint M 100 als Spirale, die ihre Scheibe fast völlig der Erde zuwendet. Die Galaxie besitzt zwei deutlich sichtbare Arme heller Sterne sowie einige schwächer leuchtende Arme. M100 wurde unfassend vom Hubble Space Telescope aufgenommen, was letztendlich zu der Entdeckung von über 20 Cepheiden geführt hat. Mit deren Hilfe konnte man die Entfernung von M100 zu 56 +/- 6 Millionen Lichtjahren bestimmen - eine der ersten vertrauenswürdigen Entfernungsbestimmungen für den Virgo Haufen. Bislang sind 4 Supernovae in M 100 entdeckt worden.

Nachdem M 100 visuell gar nichts hergab, wechselte ich gegen 23:15 noch Richtung M 104 (NGC 4594). M 104 ist nicht im ursprünglichen Katalog Messier´s veröffentlicht worden. Messier fügte die Galaxie erst im Mai 1781 handschriftlich als "sehr schwachen Nebel" in seine persönliche Kopie ein. Flammarion fand heraus, dass seine Position mit der von Herschel's 43 H I, der Sombrero Galaxie, übereinstimmte und fügte sie der offiziellen Messier Liste hinzu.

Laut de Vaucouleurs ist der Blickwinkel auf M 104 nur 6 Grad südlich von ihrer Äquatorialebene, die durch eine sehr dickes Staubband gekennzeichnet wird. Wahrscheinlich wurde diese Staubgasse von Sir William Herrschel mit seinem großen Reflektor zuerst entdeckt. Die Galaxie gehört zum Typ Sa und besitzt sowohl ein großes helles Zentrum, als auch wohldefinierte Spiralarme, wie man auf kürzer belichteten Aufnahmen sehen kann. Ebenso weist sie eine ungewöhnlich betonte Ausbuchtung auf mit einem ausgedehnten und reich bevölkerten System von Kugelsternhaufen - auf den lang belichteten Aufnahmen großer Teleskope kann man etliche hundert davon zählen. 1912 fand man am Lowell Observatorium heraus, dass M 104 eine hohe Rotverschiebung aufweist. Sie war die erste, die man mit dieser Eigenschaft fand. Die Rotverschiebung impliziert eine Fluchtgeschwindigkeit von etwa 1000 km/sek. Das ist ein zu hoher Wert als dass dies ein Objekt unserer Milchstraße hätte sein können. Slipher vom Lowell Observatorium entdeckte auch, dass der "Nebel" rotiert.

Visuell war M 104 heute einfach. Schon im 40mm Okular gut erkennbar, war die charakteristische Süd-Kante im 17er Plössl sehr deutlich.

Fotolink M104

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