2003-Mar-22

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:00-23:00MEZ
Seeing: sehr schlecht, dazu Windböen
Grenzgröße: 4.0mag
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini
Thema: Arp 116

Gamma Virgo eingestellt, liegt M59 fast auf derselben Rektaszension, nur einige Grad höher. Deswegen wollte ich dieses Objekt heute als erstes anvisieren. Die Teilkreise führten mich wieder schnell ins richtige Gebiet und dann ist mir ein Fehler passiert - statt M59 erwischte ich M60. Lag wohl u.a. daran, dass M60 größer und heller ist als M59. Beide Galaxien gemeinsam waren nicht sichtbar, weil weder das 40mm noch das 20mm Okular ließ die Galaxien aus dem milchigen Hintergrund auftauchen. Erst bei 111facher Vergrößerung konnte ich deutlich eine Galaxie erkennen. Allerdings war jetzt das Gesichtsfeld zu klein, um M59 und M60 ins Okular zu kriegen - deswegen auch der Irrtum.

Aber - die elliptische Riesengalaxie M60 ist auch nicht schlecht. Wenn auch nur ein diffuser rundlcher Kern erkennbar war, so zeigt doch das Summenbild aus 10x40 Sekunden Aufnahmen sowohl die Galaxie M60 als auch die wechselwirkende Spiralgalaxie NGC 4647. Beide Objekte zusammen firmieren auch unter dem Namen Arp 116 und bieten bei gutem Himmel einen bemerkenswerten Anblick in Teleskopen ab 4 Zoll.

Bei einer Entfernung von um die 60 Millionen Lichtjahren entspricht der scheinbare Durchmesser von M60 7x6 Bogenminuten und damit einer linearen Ausdehnung von 120000 Lichtjahren. Ich konnte jedoch maximal das helle Zentrum von etwa 3x2 Bogenminuten sehen. Die scheinbare Helligkeit beträgt etwa 9mag; dies macht sie zu einer sehr hellen Galaxie mit einer absoluten Helligkeit von -22.3, ein Wert, der einer intrinsischen Leuchtkraft von 60 Milliarden Sonnenmassen entspricht.

Als nächstes wechselte ich wieder zum 40mm Okular, um M90 aufzusuchen. Dabei riss mir das Gewinde für die Okulararretierung des Meade Flip Mirror aus. Die brauch ich aber, da der OAZ auf den Kamerafokus fix eingestellt ist und ich daher ein paar Millimeter im Stutzen des Flip Mirror variieren und fixieren können muss.

Ab jetzt war´s daher ziemlich unlustig. Okular im Fokus per Hand halten und gleichzeitig das Teleskop bewegen ging einfach nicht. Ich beschloss daher den geplanten Virgo-Spaziergang nach M90 erstmal abzubrechen und morgen zwei Gewinde in den Oku-Stutzen zu drehen.

Trotz Handycap konnte ich M90 aber mit dem 17mm Plössl dingfest machen - ein heller kleiner Kern und eine deutlich sichtbare Längsausdehnung waren gut zu sehen.

Bei M 90 handelt es sich um eine der größeren (9.5x4.5') Spiralen des Virgo Haufens. Sie zeigt eng gewundene, ebemäß helle Spiralarme, die völlig "fossil" zu sein scheinen. Das bedeutet, dass dort momentan keine Sternentstehung stattfindet - mit der einer Ausnahme der inneren Region der Scheibe in der Nähe der dunkleren Staubgassen. J.D. Wray nimmt an, dass sich diese Galaxie gerade in einen Zustand hin entwickelt, der dem vom M 64 ähnelt, um dann zu einem linsenförmigen Sytstem (S0) zu werden.

Obwohl M 90 auffallend hell und groß ist, leitete Holmberg einen recht niedrigen Wert für die Masse ab, der darauf hindeutet, daß es sich vielleicht um eine Galaxie mit einer sehr geringen Sterndichte handelt. Da sie sich mit einer Geschwindigkeit von 383 km/sec un nähert, muss sie eine sehr hohe Eigengeschwindigkeit von annähernd 1500 km/sec besitzen, mit der sie sich durch den Virgo Haufen auf uns zu bewegt; möglicherweise ist sie gerade dabei, dem Galaxienhaufen zu entkommen. Einige Quellen vermuten, dass sie den Haufen bereits verlassen hat und sich nun deutlich näher bei uns befindet. Es gibt nur eine Messier Galaxie, die sich noch schneller auf uns zubewegt - M86.

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