2003-Mar-21

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 19:00-23:30MEZ
Seeing: sehr schlecht, dazu Windböen
Grenzgröße: 4.4mag im Kopf der Hydra. Neuer Grenzgrößenrekord!
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini
Thema: Frühjahr

Heute waren alle Sterne des Wasserschlangenkopfes erkennbar, das ist eindeutig neuer Grenzgrößenrekord, denn 4.4mag gab´s noch nie im Stadtgebiet. Dem PC-Monitor hab ich eine Rotfolie von Astrobeck gegönnt, damit entfällt das lästige hin- und herdrehen der On-Screen-Bedienung für Kontrast und Helligkeit. Die Folie - doppelt gelegt - hat genau die richtige Abdunklung und bietet ein sehr angenehmes, augenfreundliches, dunkelrotes Monitorbild.

Erstes Objekt heute war der schon einmal fotografierte M46, angepeilt wieder per Teilkreiseinstellungen. Den Sucher hab ich heute genau einmal benutzt - für´s Einstellen von Procyon als Referenzstern. Dann schraubte ich mich wieder per Rektaszensionsdifferenz und Dek Einstellungen zum jeweiligen Ort hin. Geht schnell, unkompliziert und ist genau genug um alle Objekte auf Anhieb im Gesichtsfeld des 40mm Okulares zu haben.

M46 war allerdings im 40mm Okular kaum zu erkennen. Im 17mm Okular schwach aber doch deutlich, im 9mm Okular dann recht schön und auch mit gutem Kontrast (eigentlich läßt das Seeing 111fach nicht mehr zu). Vom planetarischen Nebel ist visuell nichts zu sehen, auch nicht mit UHC Filter. Der nahe stehende M47 kommt mir mehr zufällig vor die Linse und war heute mit dem 17mm Okular am Schönsten.

Fotolink M46

M67 zeigte sich schon mit dem 40mm Okular als dichte Sternwolke, graupelig, ohne Einzelsterne. Mit dem 9mm Okular natürlich komplett aufgelöst und sehr schön wegen der Dichte. M67 füllt etwa 2 drittel des Okulargesichtsfeldes.

NGC3242 in Hydra "Jupiter´s Geist" sollte eine ähnliche Größe wie Jupiter aufweisen, zudem visuell eine blaugrüne Farbe erkennen lassen. Im Zentrum des Nebels steht ein heißer blauer Zwergstern mit einer Oberflächentemperatur von 60.000 K. Bei dieser Temperatur sendet der Stern starke UV Strahlung aus, die den umgebenden Nebel zum Leuchten anregt. Ein großer Teil der Emission liegt bei 495,9nm und 500,7nm, den Linien des zweifach ionisierten Sauerstoffs (OIII-Linien), die für planetarische Nebel typisch sind. Bei niedriger bis mittlerer Vergrößerung fällt diese blaugrünliche Farbe auf. Aufgrund des Seeings waren aber alle Sterne zittrig und ich konnte bei keiner Vergrößerung Scheibchen oder Färbung sehen. Der PN ist kreisrund mit 0,6 Bogenminuten Größe. Bei einer Entfernung von 3000Lj entspricht das einer realen Ausdehnung von ca. einem halben Lichtjahr. Das Scheibchen erscheint gleichförmig hell.

Tiefe Lagen sind ein Problem - die Aufhellung durch die Stadt und etwas Dunst stören fast immer. Daher peilte ich als nächstes NGC 2903, die Galaxie im Löwen an. Im 80/400 ist sie ein schwieriges Objekt, im 120/1000 weist sie eine deutliche ovale Zentralaufhellung auf, die schon im 20mm Kellner Okular erkennbar war. Mit dem 17er Plössl erscheint sie groß, spindelförmig, etwa 1/3 des Okulargesichtsfeldes einnehmend. Die zwei etwa gleichhellen Sterne rechts der Galaxie waren im Teleskop die schwächsten noch erkennbaren.

M64, die "Galaxie mit dem schwarzen Auge" in Coma Berenice ist visuell einfach und schon mit dem 40mm Okular indirekt erkennbar. Mit dem 9mm SP zeigt M64 einen sehr hellen Zentralbereich mit großem Halo, der sich im Hintergrund verliert. Mittlerweile ist es 22:00 Uhr geworden, der Himmel ist jetzt etwas dunstbelastet.

Fotolink M64

Der unweit der Galaxie M64 stehende Kugelsternhaufen M53 war ebenfalls im Übersichtsokular schon einfach erkennbar, mit dem 9mm Okular leicht gemottelt, rund, ohne Einzelsterne. Die Aufnahmeserie von 5x40 Sekudnen ergab leider kein einziges brauchbares Bild. Für die feinen Strukturen dichter Kugelsternhaufen muss das Seeing viel besser sein.

Dafür nahm ich mir noch mal den Quasar 3C 273 in Virgo vor. Mit dem 80/400 hab ich ihn schon einmal erfolglos aufgesucht, allerdings gelang die Fotografie mit dem 200mm Fotoobjektiv. Gefunden war er heute schnell (liegt fast auf derselben Rekt. wie delta Crv), jedoch ist eine definitive Sichtung aus der Stadt eine Herausforderung. Ich tümpelte ziemlich lang auf der Stelle - der helle Stern - auf der Karte links unten war natürlich leicht sichtbar. E und D konnte ich schlie▀lich auch sehen. Nun liegt der Quasar genau in der Mitte dieser beiden, ein flaches Dreieck bildend. Wobei der Stern G sehr nahe liegt. Der Quasar ist glücklicherweise der hellere der beiden Sternpunkte. Blickweise konnte ich ihn schlißlich erkennen. Allerdings war er nur sekundenweise in den Momenten größerer Luftruhe zu halten.

Photometrische Daten
# source: AJ 90 (7), July 1985 (Smith, Balonek, Heckert, Elston, Schmidt)
R.A. = 12:29:06.7, Decl. = 02:03:08 (J2000)
z = 0.158, V = 13

Star: U - B - V - R - I
C: 13.37 (.03) - 12.85 (.05) - 11.87 (.04) - 11.30 (.04) - 10.74 (.04)
D: 13.15 (.05) - 13.17 (.05) - 12.68 (.04) - 12.31 (.04) - 11.99 (.06)
E: 13.39 (.09) - 13.33 (.07) - 12.69 (.04) - 12.27 (.05) - 11.84 (.04)
G: 14.21 (.07) - 14.12 (.05) - 13.56 (.05) - 13.16 (.05) - 12.83 (.05)

3C 273 Finder Chart

M 104 war gar nicht so einfach zu sehen, das 40mm Okular zeigte zunächst nichts, erst als ich das 17er Plössl ausprobierte, die Galaxie sicher hatte und auf die kleinere Vergrößerung zurück wechselte, konnte ich sie bei 25fach ebenso sicher orten. Der Grund ist - der Kern ist ziemlich klein und ich hielt sie zunächst für einen Stern. Mit dem 9mm Okular ist die Galaxie sehr schön. Der helle Kern, der in einem recht sternreichen Umfeld liegt, weist schöne schmale Arme auf, nach Süden ist die Galaxie relativ scharf begrenzt. Darunter konnte ich allerdings keinen weiteren Teil ausmachen. Der "Sombrero" war also gut sichtbar, das "Gesicht" darunter aber nicht (dieser Bereich ist mit 4,7 Zoll allerdings auch bei sehr gutem Himmel äußerst schwierig).

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