2003-Feb-13

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:00-23:30MEZ
Seeing: sehr schlecht
Grenzgröße: - 4 Tage bis Vollmond
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini im Fokus bei 1m Brennweite, Webcam Philips Vesta Pro für Planet
Thema: Saturn

Gegen 19:30 auf den Balkon ausgewandert (5.Stock, Wohnsilo) zum Planeten-fotografieren. Und jetzt weiß ich wieder, warum ich das normalerweise bleiben lasse. Stativ raus, Montierung, Gegengewicht, Teleskop, Sucher, Oku-Koffer (die Stimme der Allerliebsten aus dem Hintergrund: "brauchst noch lang - ich frier ein bei der offenen Balkontür"....*wieso, hat doch eh nur -14°C heut´*...) und weiterschleppen aber diesmal mit mehr Tempo...PC, Monitor, Maus plus Tastatur, Stromkabel, Verlängerungskabel, Taukappe vergessen, Webcam holen, Klappspiegel, Sessel, Sitzauflage...Klappe zu - Affe tot.

Alles draußen...und jetzt kommen die Wolken. Um 20:30 haben die Wolken ein Einsehen mit mir und verschwinden aber das Seeing ist kaum besser als aus meinem üblichen Beobachtungs-Süd-Zimmer raus. An der Fassade entlang strömt die warme Luft hoch und läßt die Sterne gezackt und generell unscharf aussehen. Ein Aha Erlebnis: Meine Frau öffnet kurz die Tür und guckt aus dem warmen Wohnzimmer raus, als ich Saturn schon am Schirm halbwegs scharfgestellt hatte. Die Tür ist ca. 2 Meter weg von mir...zwei Sekunden später verschwindet Saturn in einem grün-blauen Feuerwerk. Der Luftzug der 2 Meter entfernten kurz geöffneten und wieder geschlossenen Balkontüre zerstört das Planetenbild für eine halbe Minute völlig.

Humor ist bekanntlich wenn man trotzdem lacht! Aus 750 Bildern blieben ein paar Dutzend übrig, hier ist das magere Ergebnis (Aufaddition per Registax)

Gegen 22:00 richtete ich Dhara auf den Löwen aus. Heut ist Spechteln echt nur was für leidgeprüfte Städter - zum extremen Seeing gesellt sich noch ein superheller Mond der im Winter natürlich schön hoch steht und noch dazu in 4 Tagen voll ist.

Also auf zur Galaxienjagd :o! M 65/66 waren zuletzt nicht allzu schwierig, Bei M 105 und den heutigen Bedingungen schaut die Sache nicht so günstig aus. Theta Leo mit 3,3mag ist mit freiem Auge nicht zu sehen... Von Rho Leo aus Sternhoppel ich per 40mm Oku zum richtigen Platz und wie erwartet ist an der richtigen Stelle nichts. Nicht mal ein Stern.

Die Alpha Mini wird angeworfen und macht ein grauslich schabendes Geräusch - irgendwie dürfte der Lüfter im Inneren am Gehäuse kratzen. Hoffentlich nix Ernstes. Gottseidank verschwindet das Schaben bei horizontalerer Lage des Teleskops und der Lüfter scheint jetzt richtig zu arbeiten...40 Sekunden warten bis zum ersten Take. Bingo! Beide Galaxien (NGC 3379 und NGC 3384) am Schirm und zwar ziemlich hell. Komisch, dass sie nicht zu sehen sind. Ich probier verschiedene Vergrößerungen durch, aber die Sichtung bleibt eine Nullnummer.

Immerhin - nach dem Stacken von fünf 40 Sekunden Aufnahmen, waren nicht nur die beiden helleren Galaxien abgebildet, sondern auch die schwächere Galaxie NGC 3389. M 105 ist 9,5mag hell, NGC 3384 10mag hell. NGC 3389 liegt wohl bei 12mag.

M 105 hat einige interessante Aspekte; entdeckt wurde sie 1781 von Pierre Mechain aber nicht in Messier's Liste mitaufgenommen. Dieses zusätzliche Objekt wurde erst 1947 von H.S. Hogg eingefügt. In William Herschels Katalog ist sie unter der Bezeichnung H I.17 eingetragen. M 105 ist die hellste elliptische Galaxie der Leo I oder M 96 Galaxiengruppe, und als solche etwa 38 Millionen Lichtjahre entfernt. Sie ist vom Typ E1 und oft als ein typischer Vertreter von elliptischen Galaxien untersucht worden (z.Bsp. J.D. Wray's Color Atlas of Galaxies: "Diese elliptische Galaxie stellt einen photometrischen Standard für die Verteilung der Oberflächenhelligkeit dar", und erwähnt die Einheitlichkeit der Farbe über den ganzen Leuchtkraftbereich). Per Hubble-Aufnahmen konnte festgestellt werden, dass der Zentralbereich einen supermassiven Körper mit rund 50 millionen Sonnenmassen beherbergt. Die recht schwache Galaxie NGC 3389 ist wahrscheinlich gar kein Objekt des Leo Galaxien Clusters, sondern eine Hintergrund Galaxis. Festgestellt wurde dies aufgrund der verschiedenen Geschwindigkeiten. So entfernen sich die Leo Galaxien mit einem Tempo von rund 450-760km/sek - NGC 3389 flieht jedoch mit über 1100km/sek (die wird schon wissen warum :-).
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Fußnote
[124.03] NGC 3379: Elliptical or S0? T. S. Statler (Ohio U.), T. Smecker-Hane (UC Irvine). We present deep multi-position-angle long-slit spectroscopy of the "standard elliptical" NGC 3379, obtained at the MMT. This system has long been regarded as a dynamically ordinary elliptical that rotates slowly about its apparent minor axis, though it has also been suspected on photometric grounds of being a nearly face-on S0. Our high-accuracy (10 km/s or better out to 1.7 effective radii) measurements of the stellar kinematic fields show weak but significant signatures of triaxiality, including slow rotation on the minor axis of 5 km/s amplitude. We present a statistical determination of the intrinsic shape of the system from dynamical modeling. In addition, we show that the kinematic fields share distinctive features, such as sign reversals of the h3 and h4 Gauss-Hermite coefficients, with those of comparably observed edge-on S0's. We assess the dynamical evidence for the presence of a hidden disk in NGC 3379.

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