2003-Feb-08

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 20:00-23:30MEZ
Seeing: -
Grenzgröße: Sigma Ori 3.6m sichtbar, Eta CMa 2.4mag nicht
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini im Fokus bei 1m Brennweite
Thema: NGC 2359 CMa (Duck Nebula oder auch Thor´s Helm) / Leo M65 und M66

Tagsüber war nicht mit Sternenhimmel zu rechnen, abends dann doch relativ klar, allerdings mit auziehendem Nebel gegen 21:30 und dichter Bewölkung ab 22:30.

Thor´s Helm

Thors Helm ging mir vor wenigen Tagen durch die Lappen, heute hatte ich wenigstens den richtigen Ort im nordöstlichen Teil des Großen Hundes in 2 Minuten (Lehrgeld bezahlt!). Leider war aber der Himmel nicht gut genug für eine visuelle Sichtung, obwohl ich mir ziemlich Zeit ließ und alle Tricks probierte. Auch wechselnde Vergrößerungen und der Einsatz eines UHC-Filters brachten nichts.

Fotografisch nahm ich eine Serie von 10x40 Sekunden auf, und auch dabei war der Nebel selbst nach intensiver Bildbearbeitung nicht sicher vorhanden. Thor´s Helm ist nebenbei astrophysikalisch ein besonders interessantes Objekt.

Der Emissionsnebel, der heute als NGC 2359 bezeichnet wird, wurde im Jahre 1785 von William Herschel entdeckt. Er umgibt einen ca. 11 mag hellen Wolf-Rayet Stern (HD 56925 - das ist der helle Einzelstern in der Mitte des Nebels). Diese seltenen Sterne zeichnen sich durch sehr hohe Temperaturen und einen extrem starken Massenverlust durch Sternwinde aus. Wie auch beim "Bubble Nebula" im Sternbild Cassiopeia wurde hier durch die starken Sternwind eine sphärische Gasblase gebildet. Die Materieabstoßung von der Sternoberfläche erreicht dabei Geschwindigkeiten von 2000 Kilometer pro Sekunde bei einer Oberflächentemperatur von 100.000°C. Ein Wolf-Rayet Stern existiert nicht sehr lang in diesem Stadium, denn der Masseverlust führt den Stern rasch in stabileres Fahrwasser.

Die Spektren dieses Sterntyps haben breite Emissionslinien, die vor allem Helium, aber keinen Wasserstoff, zeigen. Der Masseverlust ist anscheinend so stark, dass diese Sterne ihre gesamte Wasserstoffhülle verloren haben. W.-R.-Sterne treten in zwei Formen auf: kohlenstoffreich (WC) und stickstoffreich (WN). Wenn der dichte Sternwind auf das umgebende interstellare Medium trifft, kommt es zu gewaltigen Kollisionen und Verwirbelungen. Spektralanalysen zeigen denn auch, dass der Nebel aus einem Gemisch von Sternwindmaterie und interstellarem Medium besteht.

Ein westlicher Teil dieses Nebelgebildes trägt die Bezeichnung IC 468, da er sehr viel lichtschwächer als der restliche ist und somit erst später bemerkt und im Index-Katalog vermerkt wurde (am Foto ist davon aber nichts zu sehen). Nebenbei bemerkt - NGC 2359 liegt genau am galaktischen Äquator

Leo Galaxien M65 M66

Blickt man in die Richtung des Sternbildes Löwe, so geht der Blick "nach oben" aus der Ebene der Galaxis hinaus. Entlang dieser Blickrichtung findet man schon nach wenigen tausend Lichtjahren Distanz kaum mehr Sterne unserer Milchstrasse. Zum Vergleich: Die Mitte der Galaxis ist etwa 30.000 Lj entfernt. Hinter den Sternen des Löwen beginnt somit der intergalaktische Raum und der Blick ist frei, um andere Galaxien zu sehen. In etwa 30-40 Millionen Lj Distanz findet man im Löwen einen Galaxienhaufen, dessen 2 hellste und größte Mitglieder M65 und M66 sind.

Die 9mag hellen und visuell ca. 5-6 Bogenminuten großen Galaxien sind normalerweise sogar aus der Stadt heraus sichtbar, wenn auch kein Highlight. Einfach zu finden sind sie außerdem, da beide (und noch eine schwächere dritte) knapp südlich von theta Leo stehen. In guten Nächten außerhalb der Stadt hab ich beide Galaxien im 11x80 Fernglas als sehr einfache und besonders schöne Objekte gesehen. Beide Galaxien waren heute visuell hart an der Sichtbarkeitsgrenze. Nur ganz minimale ovale Aufhellungen des Hintergrundes waren erkennbar, wobei M 65 (am Foto unten) immer die etwas leichter zu sehende Galaxie ist. Der Kern von M66 liegt ziemlich schräg zum Gesamtkörper der Galaxie.

Fotolink M65 M66

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