2002-Dez-10

Ort: Wiener Neustadt
Zeit: 22:00-23:30MEZ
Seeing: -
Grenzgröße: 3,6mag
Beobachtungsgerät: Dhara (Refraktor 120/1000) auf EQ-5, Alpha Mini im Fokus bei 1m Brennweite
Thema: Flammennebel

Nachdem ich den Kugelsternhaufen im Hasen beäugt habe (sehr flau heute - an der Wahrnehmungsgrenze), und natürlich einen Blick auf den großen Orionnebel geworfen habe, versuchte ich gegen 22:30 Uhr nochmal den Flammennebel zu fotografieren (am 1. Dezember sind die CCD-Bilder ziemlich verunglückt). Die näheren Umstände meines Beobachtungsortes, gepaart mit schlechtem Seeing, machten es auch heute leider wieder unmöglich den Flammennebel visuell zu meistern. Auch fototechnisch war es schwieriger verwertbare Aufnahmen zu erhalten als vor neun Tagen - dafür ist das Motiv am Bild :-).

Fotolink Flammennebel

Der helle Flammennebel, eine HII-Region steht östlich von Alnitak, einem blauen, 1.79mag hellen Überriesen. Der Nebel ist durch ein breites Staubband zweigeteilt. HII Regionen sind auf Farbaufnahmen üblicherweise rot, der Flammennebel ist jedoch seltsamerweise eher gelblich. Aus Untersuchungen der Emission mit Radioteleskopen ließ sich ableiten, dass NGC 2024 von einem Hauptreihenstern der Spektralklasse O9 zum Leuchten angeregt werden müßte. Das Problem dabei war, dass O9 Sterne erheblich mehr Helium ionisieren als beobachtet werden konnte. Man fand schließlich einen kleinen Fleck im Dunkelband, in dem etwas Strahlung von ionisiertem Helium nachgewiesen werden konnte. Mit zwei BO-Sternen erklärte man dann zunächst in der Theorie sowohl die intensität der Strahlung des Wasserstoffes wie auch des Heliums.

Zwei solche Sterne wurden auch tatsächlich gefunden, einer davon in der Mitte des Staubstreifens. Dieser Stern ist eine punktförmige Infrarotquelle und kann daher im sichtbaren Licht nicht fotografiert werden. Er verbirgt sich vollständig hinter der Dunkelwolke. Der zweite Stern ist aber visuell sichtbar. Es ist ein stark geröteter B-Stern am Rand des Staubstreifens
(der rechte untere Stern von den drei im Nebel stehenden Sternen auf dem Foto).

Von Natur aus sollte eine von B-Sternen angeregte HII-Region vorwiegend rot erscheinen. Nur zusätzliche Farbkomponenten, blaue und grüne, können mit rot zusammen als Mischfarbe weiß oder gelb ergeben. Blau leuchten von B-Sternen angeleuchtete Reflexionsnebel. Auf Farbaufnahmen sind an den Rändern von NGC 2024 solche bläulichen Stellen sichtbar. Grün leuchten Reflexionsnebel, deren Licht, nachdem es am Staub gestreut wurde, weitere staubhaltige Materie durchdringen musste. Vermutlich ist die ungewöhnliche Farbe des Flammennebels auf eine solche Mixtur zurückzuführen. Auszug aus "Sterne und Weltraum" 12/2002


P.S.: Im Prinzip weiß ich vom Chemieunterricht noch wie das mit dem ionisierten Wasserstoff funktioniert und was eine HII-Region ist, aber um es mir nochmal genau einzuprägen, soll folgende Zeichnung helfen. Die ganze Leuchte-Nebel-Maschinerie wird durch UV-Photonen jenseits der Lyman-Grenze von dem oder den anregenden Stern(en) in Gang gebracht, die ein nichtsahnendes neutrales Wasserstoffatom im Grundzustand (HI) treffen und ihm sein Elektron wegkicken.
Beim Übergang eines ionisierten Elektrons zum Beispiel von n3 auf n2 wird dann ein Photon mit 1,9eV Energie emitiert. Die 1,9eV machen sich u.a. als 656,3nm Schwingung (Dunkelrot) bemerkbar. H beta mit 486,1nm wäre hingegen Blau.
CCD und Film funktionieren bei 656nm hervorragend, das nachtadaptierte Auge hingegen ist für H alpha fast blind. Die visuelle Wahrnehmung von HII-Regionen findet daher weitgehend in der wesentlich schwächeren H-Beta Linie statt. Deshalb sind extrem rote Objekte (z.B. der Pferdekopfnebel) für die visuelle Beobachtung sehr schwierig, aber leicht für die Astrofotografie.

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